Stendal ( ro ). Im Jahr 20 nach dem Mauerfall lassen wir an dieser Stelle Menschen aus Politik, Wirtschaft, Kultur zu ihrem persönlichen Mauerfall zu Wort kommen.

Heute : Antje Lawson ( 34 ) vom Afrikakreis der Evangelischen Stadtgemeinde :

" Mit 14 Jahren nimmt man politische Umwälzungen anders wahr als ein Erwachsener. Selbst in Greifswald, was im alleräußersten Osten der DDR zu den " Tälern der Ahnungslosen " gehörte, war die " Wende " angekommen. Systemkritisches Denken jenseits der öffentlichen Meinung in Schule und Öffentlichkeit war in meiner Familie und den christlichen Kreisen, in denen ich mich zuhause fühlte, damals selbstverständlich, ja lebenswichtig für uns. Umso mehr blühte die jugendliche und sicher auch idealistische Hoffnung an etwas Großem Neuen mittun zu können in jenen Herbsttagen, in denen wir uns im Dom versammelten

und mit Kerzen und Plakaten durch die Straßen zogen, das Neue Forum mit seiner Altstadtinitiative beim Sichern abbruchreifer historischer Häuser unserer Hansestadt tatkräftig unterstützten. Ich persönlich hatte durch den Mauerfall die Chance, mir meinen Studienplatz auszusuchen, wo ich es wollte, und ich ging nach Osnabrück und habe dort Sozialarbeit studiert. Da habe ich dann auch meinen späteren Mann Assion Lawson kennengelernt. Beides wäre ohne den Mauerfall nicht möglich gewesen. "