Es war gestern ein Wahlkrimi von Anfang an im Wahlkreis 67 Altmark. So wie vor vier Jahren. Doch mit einem entscheidenden Unterschied : Nicht Marko Mühlstein ( SPD ) und Hans-Heinrich Jordan ( CDU ) lieferten sich ein Kopfan-Kopf-Rennen um das Direktmandat, sondern Katrin Kunert ( Linke ) und Jordan. Gegen 21. 10 Uhr lag Kunert noch vor Jordan. Bleibt es dabei, muss Jordan um sein Bundestagsmandat bangen und Marko Mühlstein sein Abgeordnetenbüro in Berlin räumen.

Stendal. Ausgelassene Stimmung auf der Wahlparty der Linken im Stendaler Gerberhof : Bei der ersten Prognose zeichnet sich bereits ein gutes Ergebnis für sie ab. Applaus für die Wahlkämpfer, ein Blumenstrauß für die altmärkische Bundestagsabgeordnete Katrin Kunert. " Das ist geil ", sagte sie und strahlte, als sich dann langsam abzeichnete, dass sie das Direktmandat der Altmark holt. Und auch bei den Zweitstimmen werden die Linken zwischen Arendsee und Havelberg Wahlsieger. Kunerts Ziel für die Legislaturperiode : an die bisherige Arbeit anknüpfen, insbesondere was den Kampf gegen soziale Missstände, Rentenungleichheit und die Rente mit 67 angeht.

Punkt 18 Uhr im Hotel " Am Bahnhof " in Stendal : Die Wahlparty der SPD hat kaum begonnen, da ist sie schon an ihrem Tiefpunkt angelangt. Die Prognose und die bald darauf folgenden Hochrechnungen kündigen ein Desaster für die Sozialdemokraten an. " Eine Katastrophe ", " Bitter ", " Jetzt wird ‘ s eiskalt in Deutschland ", lauten die ersten Kommentare. Marko Mühlstein – obwohl er zu dem Zeitpunkt noch davon ausgeht, das altmärkische Direktmandat zu gewinnen – macht einen niedergeschlagenen Eindruck. " Für mich ist es besonders bitter ", sagt er, " weil ich den energiepolitischen Kurs, den ich vertrete, in Gefahr sehe, also Atomausstieg, erneuerbare Energien. " Und fügt hinzu : " Schwarz-Gelb wird das Land verändern. "

Ganz anders die Stimmung bei den Christdemokraten. Als 18 Uhr die ersten Wahlprognosen im Landratsamt bekannt werden, jubelt Wahlbeobachter Nico Schulz, CDU-Landtagsabgeordneter aus Osterburg. Als dann aber die ersten Ergebnisse aus dem Wahlkreis gegen 18. 21 auf die Leinwand projiziert werden, Stirnrunzeln bei Schulz : Kunert und Jordan liefern sich von den ersten Wahlergebnissen an ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Dabei sind es bekanntlich die Dörfer, die am schnellsten auszählen. Und eigentlich wird auf dem fl achen Land Schwarz gewählt.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolgte Eduard Stapel, Direktkandidat von Bündnis 90 / Die Grünen, die Wahlergebnisse. Dass er kein Direktmandat holen würde, war dem Bismarker klar. Doch dass die Grünen bei den Zweitstimmen in der Altmark auf über vier Prozent kommen, freute ihn. Hat die Diskussion um das Steinkohlekraftwerk den Grünen in der Altmark einen Aufschwung beschert ? " Das ist durchaus möglich ", meinte Stapel.

In Feierlaune war gestern die altmärkische FDP in Salzwedel. Rund 60 Liberale feierten zusammen mit ihrer Direktkandidatin Gabriele Hauptstein. Ins Rennen um das altmärkische Direktmandat konnte auch sie nicht eingreifen. " Das war mir von Anfang an klar. Aber neun Prozent Zweitstimmen in der Altmark, ist ein ordentliches Ergebnis ", sagte sie.

Andreas Siegmund, Einzelbewerber, setzte gestern ein Achtungszeichen. Er hatte gegen 19. 45 Uhr mit 3, 6 Prozent das viertbeste Ergebnis der neun Direktkandidaten. " In den vergangenen Wochen habe ich etwa 7000 Gespräche geführt, das zeigt wohl Wirkung ", sagte der Tangermünder gestern Abend. Sein persönliches Ziel, fünf Prozent, verfehlte er aber.