Parteiendemokratie und Energie der Zukunft waren gestern die Themen einer Diskussionsrunde in den Berufsbildenden Schulen II, zu der sich die Schüler, darunter viele Erstwähler, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker eingeladen hatten. Bald waren die Gespräche bei einem Schwerpunkt angelangt : die Kohlekraftwerkspläne in Arneburg.

Stendal. Er stehe dazu, würde es aber nicht nochmal machen, wenn er den Aufschrei in der Region vorausgesehen hätte, gestand SPD-Landtagsabgeordneter und -Kreisvorsitzender Ralf Bergmann vor den fast 100 Berufsschülern ein. Politiklehrer Jens Schößler hatte das Eingeständnis mit einer Frage provoziert. Bergmann, nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft aktiv, ist Inhaber eines Planungsbüros mit sieben Mitarbeitern. Dieses hatte 1998 / 99 den Bebauungsplan für das Industrie- und Gewerbegebiet bei Arneburg einschließlich Steinkohlekraftwerk entwickelt.

Nach Meinung Bergmanns komme die Energiewirtschaft " vorübergehend nicht ohne Kohle aus ". Als Bürgermeister von Hohenberg-Krusemark habe er aber zugesagt, das zu vertreten, was die Gemeinde mehrheitlich will. Ein Kraftwerk ohne Bürgerzustimmung halte er für nicht richtig. Die Schüler quittierten seine Ehrlichkeit mit Applaus.

Fast 100 Berufsschüler der Berufsbildenden Schulen II aus den Kursen Geografi e, Ethik, Sozialkunde und Medienpraxis fühlten gestern Politikern in Sachen Energie der Zukunft auf den Zahn. Und alle Wege führten zu den RWE-Kraftwerksplänen in Arneburg. Auch Dr. Hans-Heinrich Jordan ( CDU ), der die Altmark im Bundestag vertritt, hält das Verbrennen von Kohle zwar für schädlich. Im Interesse der Versorgungssicherheit und der Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft müsse sie aber noch zur Energiegewinnung genutzt werden. In Bezug auf die Kraftwerkspläne in Arneburg wollte sich Jordan aber auf keine Meinung festlegen lassen.

Ganz anders Eduard Stapel, der zur Bundestagswahl für die Bündnisgrünen kandidiert. Die Altmark sei schon jetzt ein Stromexporteur und brauche das Kraftwerk gar nicht. Seiner Meinung nach sei es in Deutschland bis 2030 möglich, den gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Und Arneburg betreffend : " Von mir aus kann da ein Kraftwerk hin, aber ein vernünftiges auf Wind- oder Sonnenenergiebasis. "

Ein gestandener Kämpfer gegen Kohlekraftwerke ist der 69-jährige Karl-Heinz Winkler aus dem saarländischen Bexbach. In den 90 er Jahren verhinderte eine Bürgerinitiative, deren Vorsitzender er ist, eine Kraftwerkserweiterung in Bexbach und später die Mitverbrennung von Klärschlamm in einem vorhandenen Kraftwerk. Auch die RWE-Kraftwerkspläne im 60 Kilometer entfernten Ensdorf wurden mit ihrer Hilfe gekippt. Die Pläne für Arneburg seien über ein Jahr lang verschleiert worden, kritisierte Winkler ; RWE habe die Stadträte zum Schweigen verpflichtet. Zu den gefährlichen Emissionen eines solchen Kraftwerks würden fast 15 000 Tonnen Säurebildner gehören, sagte er. Winkler : " Die Altmark bekommt dann eine andere Qualität. "