Stendal. Sie sind kein weiteres Integrationsprojekt, das von der Politik verordnet und von einer Behörde oder einem Betreuungsverein getragen wird. Sie sind die Migranten selbst, die sich mit Einheimischen zur Stendaler Migranteninitiative, kurz : SteMi, zusammengeschlossen haben. Sie wollen sich für ein gutes und verständnisvolles Zusammenleben im Landkreis Stendal einsetzen. Sie wollen keine Hilfe von außen, sie wollen das Großprojekt Integration selbst in die Hand nehmen.

Das sind die wichtigsten SteMi-Ziele, die vier der 20 Mitglieder der vor kurzem gegründeten Initiative am Montag der Öffentlichkeit vorstellten ( die Volksstimme berichtete gestern ). Zum Beispiel Venus Keppler. Sie habe hier viele Leute getroffen, die ihr entgegenkommen, sie unterstützen, aber auch andere, die sie ablehnen, sagte die von den Philippinen stammende Englisch-Lehrerin, die mit ihrer Familie in Tangermünde wohnt. Das Problem seien immer wieder Vorurteile. Um diese abzubauen, will SteMi Wissen über die Migranten und ihre Herkunftsländer vermitteln.

" Wir werden in die Schulen gehen und mit den einheimischen und den Migrantenkindern sprechen ", kündigte Dr. Aida Beye an. Das beginnt im Oktober in der Komarowschule in Stendal-Stadtsee. Die Anästhesie-Ä rztin am Johanniter-Krankenhaus ist aus dem westafrikanischen Mali in die Altmark gekommen und spürt hier häufig Vorbehalte bis hin zur Ablehnung. " Ich bin nicht aus Armutsgründen hierher gekommen, ich brauche keine Sozialhilfe ", sagte sie. Laut Viktor Schellert, aus Russland stammend, sind nahezu alle Mitglieder von SteMi Arbeitnehmer. Sie halten nicht die Hände auf, sondern wollen am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben und mitwirken.

" Ein erstes Highlight ", so Aida Beye, " war der Besuch der Gruppe im Theater der Altmark zu den Comedian Harmonists. " Ihr war bei Theaterbesuchen aufgefallen, dass keine Ausländer im Zuschauerraum zu sehen waren. Die deutsche Kultur kennenzulernen und die eigene nicht fallenzulassen, sei aber wichtig für eine erfolgreiche Integration.

" Sie sind Zuwanderer, die entschlossen sind, selbst aktiv zu werden, was uns beide sehr freut ", sprach der Ausländerbeauftragte des Lankreises, Joachim Handschag, auch für Liane Bischoff vom Stendaler Netzwerk Migration.