Tangermünde. Der Schulelternrat des Tangermünder Diesterweg-Gymnasiums kämpft um bessere Lernbedingungen. Er setzt sich dafür ein, dass der vom Kreisschulausschuss vorgeschlagene Umbau der alten Turnhalle in eine Aula mit Mitteln aus dem Konjunkturprogramm II auch realisiert wird. Im Kreisbauausschuss wurden Stimmen gegen dieses Projekt laut.

Am Montagabend hatte der Schulelternrat zusammen mit Schulleiter Roland Müller und dessen Stellvertreter Jürgen Meier zu einem Vor-Ort-Termin eingeladen. Mit dabei Edith Braun, Vorsitzende des Kreisschulausschusses, und Tiemo Schönwald, Mitglied dieses Gremiums.

Der Grund für den Termin : " Wir wollen Ihnen zeigen, wie die Situation an unserer Schule tatsächlich ist ", erklärt Roland Müller. Bis in die obere Etage werden die Gäste geführt. Dann stehen sie in der Aula – so groß wie zwei Klassenräume. Hier und im Grete-Minde-Haus, das der Stadt gehört, schreiben Schüler Klausuren. Oftmals müssten Klassenräume " leergeplant werden ", sagt Müller, um Klausuren möglich zu machen. Viele Schüler, die nicht die Raumänderungen beachten, würden dann die Klausuren stören.

" Schon zu meiner Zeit haben wir alle Prüfungen und auch Abschlussarbeiten in der ehemaligen Turnhalle geschrieben ", sagt Ute Lautenschläger, ebenfalls Mitglied im Schulelternrat.

Edith Braun hört sich die Meinungen der Eltern an, lässt Schulleiter Müller zu Wort kommen. " Ich finde es toll, dass Eltern sich für ihre Schule einsetzen ", sagt sie. Ihr sei bekannt, dass das Diesterweg-Gymnasium " bis unter das Dach zugestopft " ist.

Für die zurzeit 24 Klassen stehen in dem Backsteinbau von 1894 insgesamt 23 Räume zur Verfügung. Allerdings sind die Lern- und Lehrbedingungen alles andere als optimal. Sämtliche Räume unter dem Dach sind mit Pfeilern durchzogen, versperren also die Sicht. Für Kursangebote müssen Klassen geteilt werden. Bei der Raumkapazität verlangt das logistische Meisterleistungen.

" Nach der Zusammenlegung der Gymnasien von Tangerhütte, Havelberg und Tangermünde wäre es an der Zeit, jetzt auch die Rahmenbedingungen für eine Schule mit so vielen Schülern zu schaffen ", gibt Claudia Münchow, Mutter einer Schülerin, zu bedenken. Es könne nicht sein, dass Schüler durch die Stadt wandern, um in einen Raum zu gelangen, in dem Platz genug ist, um wie vom Gesetzgeber gefordert, allein an einer Schulbank eine Prüfung zu schreiben.

Roland Müller fasst zusammen : " Die zur Aula umgebaut alte Turnhalle würde enorm dazu beitragen, vielen Schülern unnötige Raumwechsel zu ersparen und somit bei mehrstündigen Klausuren die Schüler nicht stören. " Vieles, für das heute Raum fehlt, sei dann möglich : Präsentationen für Eltern, Jahrgangsstufen-Elternabende, projektorientierter Unterricht, Zeugnisausgaben. Müller, der die Bedingungen am Stendaler Winckelmann-Gymnasium selbst als Lehrer kennengelernt hat und das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Magdeburg leitete, weiß wovon er spricht, weiß, wie Schulalltag auch aussehen kann. " Dort kann man sich ganz und gar auf den Unterricht konzentrieren ", sagt er.

Das Tangermünder Diesterweg-Gymnasium hat langfristig Bestand in der Schullandschaft des Landkreises Stendal. Ein unumstößlicher Fakt.

Notlösung währt bereits zehn Jahre

In einem Brief an Schulleiter Müller unterstützt Bürgermeister Rudolf Opitz die Forderungen von Eltern und Lehrerschaft, die alte Turnhalle zur Aula umzubauen. " Es besteht dringend Handlungsbedarf ", sagt Opitz. " Die Nutzung des Grete-Minde-Saals kann nur eine Notlösung darstellen ", schreibt er.

Doch diese Notlösung währt bereits Jahre. " Die unentgeltliche Nutzung des Saals ist auf Dauer mit Blick auf die erheblichen Summen, die die Stadt als Kreisumlage zu zahlen hat, nicht durchzuhalten ", gibt Opitz zu bedenken. Die Verfügbarkeit des Grete-Minde-Saals könne nicht als selbstverständlich angesehen werden.

Edith Braun : " Ich versuche, dieses Projekt für Tangermünde durchzusetzen. Sonst komme ich hier nicht wieder her. Und an Tiemo Schönwald gerichtet : " Wir müssen geschlossen auftreten. "