Seit einigen Wochen graben Studenten der Kieler Universität am Lüdelsener Königsgrab. Inzwischen können sie erste Ergebnisse vorzeigen, die Grabungsleiter Dennis Demnick präsentierte.

Lüdelsen. Es ist wahre Millimeterarbeit, die die Archäologen um Grabungsleiter Dennis Demnick am Lüdelsener Königsgrab Tag für Tag leisten. Mit der Maurerkelle tasten sie sich Schicht für Schicht in die Tiefe vor. Jeder Eimer Erde, der aus dem Boden geholt wird, geht durch ein Sieb – schließlich darf nicht ein Fund verloren gehen. Auf dem Weg zu ihrem Ziel, Licht in das Dunkel der Entstehung des Großsteingrabes zu bringen, sind die Studenten der Kieler Universität bereits ein gutes Stück vorangekommen. " Wir haben in einer Grube Holzkohlereste gefunden, die werden wir untersuchen ", berichtete Demnick. Mit Hilfe der sogenannten C 14-Methode ( Radiokohlenstoffdatierung ) kann das Alter des Fundes und damit die Entstehungszeit des Grabes genau bestimmt werden.

Auch die Grabkammer ist inzwischen freigelegt. Sie weist eine Zweiteilung auf, deren beide Bereiche durch eine Steinpackung voneinander getrennt sind. In einem Teil fanden die Archäologen eisenzeitliche Keramikscherben und verbrannte Knochenreste. " Wir gehen davon aus, dass hier eine spätere Nachbestattung erfolgte ", erklärte Dennis Demnick. Dieser Grabkammerteil sei offenbar seit der Eisenzeit nicht mehr gestört worden. Als die Archäologen die Steine beiseite räumten, fanden sie zudem einen Flintmeißel aus Feuerstein, der bei Nachbestattungen häufi g mit ins Grab gelegt wurde. " So ein Meißel wurde etwa von 5500 bis 2800 vor Christus verwendet ", erläuterte der Grabungsleiter.

Im Gegensatz zum nahegelegenen Großsteingrab Lüdelsen 3, das die Forscher 2007 vollständig freilegten, soll das Königsgrab nur teilweise ausgegraben werden. Zwar wurden die tonnenschweren Decksteine abgenommen, doch die Trägersteine werden lediglich abgestützt und nicht entfernt. " Die Grabanlage wurde auf einem Sporn errichtet und lag zumindest im Mittelalter auf freiem Feld ", ist sich Dennis Demnick sicher. Der Wald, der jetzt das Grab umgibt, entstand demnach erst später. Da das Grab Lüdelsen 3 nachgewiesenermaßen schon zur Entstehungszeit mitten im Wald versteckt lag, vermuten die Forscher, dass das Königsgrab später gebaut wurde. " Es hat am Ende der Trichterbecherkultur einen Wandel im Umgang mit den Toten gegeben, so dass die Grabanlagen jetzt weithin sichtbar waren ", erklärte der Grabungsleiter. Weitere Erkenntnisse erhofft er sich von den Funden der nächsten Wochen, wenn die Forscher in die Erdschichten der Entstehungszeit des Grabes vordringen. " Es wird spannend ", versprach Dennis Demnick.