Das mögliche RWE-Steinkohlekraftwerk bei Arneburg sorgt weiterhin für heiße Diskussionen in der Region. Angeheizt von einem überarbeiteten Flächennutzungsplan, der noch bis nächste Woche öffentlich ausliegt. Am Montagabend gab es eine Informationsveranstaltung für die Arneburger.

Arneburg. " RWE hat eine ungeheure Macht. Wehren Sie sich und ziehen Sie alle Register " : Seit mehr als 30 Jahren ist die deutsche Energiepolitik das Schlachtfeld des Saarländers Karl-Heinz Winkler. In Ensdorf haben er und seine Mitstreiter den Bau eines 1600-Megawatt-Steinkohlekraftwerkes verhindert. Jenes Kraftwerk, das nun für Arneburg im Gespräch ist und weshalb am Montag Karl-Heinz Winkler in dem Elbestädtchen ein mit viel Beifall bedachter Gastredner während der Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative " Kein Steinkohlekraftwerk Arneburg " war.

Winkler hatte klare Botschaften : Die Arneburger sollen über den Stadtrat das Kraftwerk verhindern. " Organisieren Sie eine Mehrheit gegen den Flächennutzungsplan ", rief der Saarländer den 150 anwesenden Altmärkern zu. Hart ins Gericht ging er mit der Informationspolitik der RWE Power AG, die seit der Ensdorfer Pleite händeringend einen Kraftwerksstandort sucht, " weil die Technik längst bestellt ist und monatlich Verzugsstrafen in Millionenhöhe fällig werden ". Seit Anfang 2008 führe RWE deshalb " Geheimverhandlungen " mit der Landesregierung und mit Kommunalpolitikern im Landkreis und in Arneburg, so Winkler. Unverständlich sei, dass sich Kommunalpolitiker darauf eingelassen haben. " In Ensdorf musste ein Bürgermeister seinen Hut nehmen ", mahnte er. Sein Zukunftsszenario für die Region, wenn das Kraftwerk gebaut wird : " In Altenzaun ist es nachts dank des Kohlelagers taghell, und in Dalchau schaut man auf zwei riesige Kühltürme. " Winkler machte deutlich, dass das 120 Hektar große Kraftwerksareal im Industrie- und Gewerbepark Altmark Platz für vier Kraftwerksblöcke bietet. Statt 1600 Megawatt also 3200 Megawatt ?

Für eine nachhaltige Energiepolitik in der Altmark sei das Steinkohlekraftwerk eine Katastrophe, schätzte Björn Schering ein. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Bundestagsfraktion Die Linke hat eine Energiestudie für die Altmark erstellt. Kernaussage : Die Region sei bestens geeignet für einen Mix erneuerbarer Energien. Angefangen von Biomasse über Windkraft, Solarenergie und Geothermie. In den kommenden zehn Jahren könnten altmarkweit 2600 neue Arbeitsplätze entstehen. Zum Vergleich : Laut Winkler geht RWE intern von 107 Arbeitsplätzen im Kraftwerk aus. Bis zu 8000 Gigawattstunden Strom könnten in der Region mit alternativen Energien erzeugt werden – das Kohlekraftwerk würde es auf 11 000 Gigawattstunden bringen. Und genau in diesem Punkt sieht der Energieexperte den Konflikt. Schon jetzt reichen die Stromleitungskapazitäten

nicht aus, um den grünen Strom in Richtung Süden abzuleiten. " Für das Kohlekraftwerk wird eine zweite 380-Kilovolt-Leitung benötigt ", betonte Schering. Ein weiter Konfliktpunkt sei die mögliche Endlagerung des aus dem Kraftwerksrauch gefi lterten CO in der altmärkischen Erd-2

gaslagerstätte. " Das schließt dann auf 2000 Quadratkilometern Geothermie aus ", so Schering. Scharfe Kritik richtete er an die Regionalplaner : " Der Regionale Planungsverbund ist das größte Hindernis für eine nachhaltige Entwicklung in der Altmark. "

Über die " gravierenden Folgen " für Mensch und Natur sprach Stefanie Wischer. Weniger Elbefisch, der zudem mit giftigen Schwermetallen und Chloridverbindungen belastet ist, Artenverlust und in etwa 40 Jahren nach Beginn der Kraftwerkslaufzeit ein verstärktes Krebsrisiko für den Menschen nannte sie unter anderem. " Bei Durchführung angemessener Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen und unter Berücksichtigung der Möglichkeiten zur Vermeidung und Minimierung von Beeinträchtigungen kann eine für den Menschen hinsichtlich der Erholung verbesserte Situation eintreten ", heißt es stattdessen im Planentwurf. Für Stefanie Wischer " der blanke Hohn ".