Zum 30. Mal wird am Sonntag der Welttourismustag begangen. Diesmal soll es um das Thema Vielfalt gehen. Wir wollten wissen, wie es damit im Stendaler Tourismus bestellt ist, wie beliebt die Altmark bei Reisenden ist und vor welchen Herausforderungen ein Stadtführer steht.

Stendal. Dass sie mal Stadtführerin werden würde, wusste Gisela Hübner mit drei Jahren bestimmt nocht nicht. Aber neugierig war sie da schon auf Stendal : " Mit drei bin ich mal von zu Hause ausgebüxt ", erzählt die 67-J ährige lachend. " Vom Nachtigalplatz hab ich ‘ s bis ins Alte Dorf geschafft, dann wusste ich nicht weiter. " Das kann ihr heute nicht mehr passieren – zum Ausbüxen gibt es keinen Grund, und zurechtfinden würde sie sich in Stendal auch im Schlaf.

Gisela Hübner ist eine von einem guten Dutzend Stadtführern, die Stendaler Gäste auf verschiedenen Routen ( siehe Infokasten ) durch die Stadt führen. Bis Ende August waren das gut 2400 Personen und damit schon fast genauso viele wie im gesamten Vorjahr. Damit scheint sich ein Trend fortzuführen, der sich 2008 abzeichnete : Die Zahl der Touristen in den ostdeutschen Bundesländern steigt. Und offenbar hat sich die Altmark als eines der beliebteren Reiseziele etabliert. Ein paar Gründe dafür hat Silke Junker, Mitarbeiterin der Stendal-Information, parat : " Zum einen ist es der Elbe-Radweg, der auch viele Touristen einen Abstecher machen lässt. Und zum zweiten rückt die Hansethematik immer stärker ins Bewusstsein, der Begriff Hanse hat Wiedererkennungswert, und die meisten kommen gezielt deswegen her. " Ob sie Hanse-fi xierte Reisende waren oder nicht : Rund 39 000 Touristen übernachteten 2008 in Stendal. Ein Anstieg um knapp 6000 im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten kommen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Süddeutschland und Berlin. Unter den ausländischen Gästen machen die Niederländer und Schweizer das Rennen.

Wie viele von denen Gisela Hübner wohl durch die Stadt geführt hat ? " Das hab ‘ ich noch nie gezählt, aber da kommen einige zusammen. " Und keine Führung ist wie die andere : " Ich bin jedes Mal selbst gespannt, was da auf mich zukommt. Aber es macht immer Spaß. " Am liebsten sind ihr die Geschichtsinteressierten, die, die sie ein bisschen fordern. Fest steht : Das Klischee vom Stadtführer, der gelangweilt sein Programm abspult, bedient Gisela Hübner nach eigener Einschätzung nicht. " Man muss sich auf die verschiedenen Gruppen einstellen, vor Schülern rede ich anders als vor Fachleuten. Fragen zwischendurch dürfen einen nicht aus dem Konzept bringen. " Und Fragen, die sie nicht beantworten kann, gibt es eigentlich nicht. " Nur einmal, da wusste ich nicht weiter. Das war aber irgendwas Ausgefallenes. "

Wenn Gisela Hübner selbst irgendwo als Tourist unterwegs ist, schließt sie sich übrigens nur ungern Gruppen an. " Ich schaue mir die Städte lieber zielgerichtet an. Ich lass mich nicht gern mitschleusen. "

f Auf den Spuren der Hanse :

Das Wichtigste über die historische Innenstadt, 1, 5 Stunden f Historische Altstadt : Markt, Dom, Wallpromenade, 2 Stunden f St. Petri – Extra Muros ? : Petrikirche und Stendaler Stadtbefestigung, Uenglinger Tor, 1, 5 Stunden

f Stendal und seine alten Kunstschätze : Marienkirche, Jacobikirche, Dom und Schnitz wand im Rathaus, 3 Stunden

f Stendal am Abend – Aus der Sicht eines Husaren :

Wissenswertes über die Geschichte Stendals als Garnisonsstadt, 1, 5 Stunden f Kontakt : Stendal-Information, Kornmarkt 8, Telefon ( 0 39 31 ) 65 11 90, Mo-Fr 9-18 Uhr, Sa 10-13 Uhr, Ostersonntag bis 3. Oktober auch So 10-13 Uhr f Internet : www. stendal. de