Das 45 Kilometer lange Glasfaserkabelnetz der Primacom in Stendal wird natürlich längst von digitalen Informationen durchströmt. Aber auf einen offiziellen Knopfdruck wollten die Investoren denn doch nicht verzichten. Gestern drückten Ministerpräsident, Oberbürgermeister und Firmenvorstand gemeinsam im Rathaus.

Stendal. Der Akt war gut inszeniert. Kurz nach dem dreifach verstärkten Druck auf den roten Knopf begannen die von der Primacom im Rathausfestsaal installierten Monitore kurz zu knacken und zu rauschen. Dann wurden Bild und Ton klar, und ein Nachrichtensprecher vermeldete brandaktuell aus Stendal die Einweihung eines modernen Breitbandkabelnetzes.

Sogar Ministerpräsident Wolfgang Böhmer ( CDU ) war zu diesem Zweck in die Hansestadt gekommen. Vielleicht auch aus diesem Grund : Die Firma Primacom habe vom Land keinen Cent Fördermittel für ihre Investition haben wollen, freute sich der Landesvater. " Das tut einem Ministerpräsidenten auch mal gut. "

250 Millionen Euro habe Primacom in den zurückliegenden zehn Jahren laut Vorstand Michael Dorn in das, wie er sagte, " modernste Glasfaserkabelnetz in Europa " investiert. In Stendal flossen seit Anfang des Jahres 2007 3, 5 Millionen Euro in die Verkabelung, das heißt : die Verlegung von 45 Kilometern Glasfaserkabel im Stadtgebiet. 11 300 Haushalte – vor allem im Bereich der Großvermieter SWG, WBGA, GWG und WBG 1893 – können, wenn sie wollen, das Angebot der Primacom nutzen.

Was aus den Steckdosen in den Wohnungen, also am Ende des Kabels, kommt, nennt die Primacom Triple Play : digitales und analoges Fernsehen und Radio, Internet und Telefon. Das ganze Dreierpaket kann man bei der Firma buchen oder nur einzelne Bestandteile. Oder auch gar nichts, falls man für seine Wohnung einen anderen Netzbetreiber findet.

Die Stadt Stendal im engeren Sinne ist also ab sofort mit einem hochmodernen Breitbandkabelnetz an die weltweiten Datenverkehrswege angeschlossen. Aber wie sieht es damit in den Randgebieten, den Ortsteilen oder gar in den Dörfern der weiten Altmark aus ? Diese Problematik wurde in den gestrigen Festreden im Rathausfestsaal neben vielen goldenen Lobesworten ebenfalls angesprochen.

Er habe viele Briefe von Bürgermeistern aus kleinen Gemeinden bekommen, berichtete Ministerpräsident Böhmer. Darin forderten sie die Landesregierung zum Handeln auf. Und Böhmer gab ihnen recht. Dort, wo diese Investition nicht kostendeckend und also privatwirtschaftlich nicht realisierbar ist, müsse sich das Land kümmern. Das treffe in besonderem Maße auch für die dünn besiedelte Altmark zu. " Wir müssen dafür sorgen, dass die Leute von dort nicht wegziehen ", sagte er.

Mit Interesse habe er vom Primacom-Vorstand erfahren, dass das teuerste an der Verkabelung die Erdarbeiten seien. Als kommunale Vorleistung könne er sich deshalb die Verlegung von Leerrohren vorstellen. Böhmer will dieses Thema am morgigen Freitag auf dem Landkreistag von Sachen-Anhalt ansprechen – und der tagt in Stendal.

Die Realisierung werde allerdings noch ein paar Jahre dauern, sagte der Ministerpräsident. " Ich werde wohl noch einige Bürgermeister trösten müssen. "