Die innerstädtische Bebauung ist das Gebot der Stunde : Baulücken sollen geschlossen, Menschen in die Altstadt geholt werden. Nach dem Abriss eines Hauses auf dem Gelände der Karlstraße 15 bis 18 harrt auch gegenüber des Theaters jetzt eine Fläche ihrer Neunutzung. Zwei Vorschläge wurden bereits vorgestellt, jetzt kam noch ein dritter hinzu. Mit diesen Ideen wollen die Stadtplaner Investoren.

Stendal. Eine Baulücke klafft seit einigen Wochen an der Karlstraße. Das soll allerdings nicht so bleiben. Wenn es nach den Planungen der Stadtverwaltung geht, dann wird hier ein privater Investor einen Neubau einfügen. Der Haken an der Sache : Den Investor gibt es noch nicht. Wohl aber Gespräche mit Interessenten, wie der Stendaler Planungsamtsleiter Axel Achilles auf einer Sitzung des städtischen Liegenschaftsausschusses am Montag wissen ließ.

Um weitere Interessenten auf den Geschmack zu bringen, liegen Vorschläge für eine Bebauung vor. Zwei Ideen sind bereits ab August in der Ausstellung " Mut zur Lücke " zur innerstädtischen Bebauung gezeigt und in der Volksstimme vorgestellt worden.

Nun eine dritte Variante – die der Wörlitzer Architekten vom " Büro Sand ". Ihnen schwebt eine Häuserfront vor, die im Gegensatz zu den beiden anderen modernen Vorschlägen sich eher am traditionellen Straßenbild orientiert. Die Grundstücke sollen hier insbesondere durch die unterschiedlichen Dachhöhen unterscheidbar sein.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Vorschlägen ist in dem Konzept der Wörlitzer Architekten eine Bebauung in der zweiten Reihe mit eingeschossigen Häusern vorgesehen. Die eignen sich beispielsweise, wenn dort für die Ladenlokale im vorderen Bereich Lagerräume gebraucht werden oder wenn an der Karlstraße Handwerkerhöfe entstehen sollten.

Die zweite Reihe allerdings ist derzeit von der Politik nicht mehr gewollt. Warum sollte eine solche Idee dann also doch eine Chance bekommen ? Axel Achilles : " Eine der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten sind die, Mehrgenerationenhöfe ‘ oder das, Wohnen 50 plus ‘. " Ideen also, die ganz im Sinne der modernen Familienpolitik lägen und die mit einer rückwärtigen und vom Straßenlärm geschützten Bebauung einen besonderen Charme entwickeln dürften.

Was allerdings der Zweit-Reihen-Bebauung zum Nachteil gereichen könnte, sind die Parkplätze. Denn in der Altstadt herrscht – gerade gegenüber dem Theater – chronische Parkplatznot. Und während bei einem unbebauten Hinterland mehr als zwanzig Stellplätze abfallen könnten, blieben bei dieser Variante nur noch zwölf.

Entschieden ist über das Gesicht der neuen Karlstraße indes noch lange nicht. Denn letztlich bestimmen die Investoren in Abstimmung mit Stadtplanern und Denkmalschützern, was genau gebaut wird. Mit den drei Vorschlägen soll Interessenten aber Appetit gemacht werden an dem Gelände, es soll die Phantasie der Bauwilligen angeregt werden mit den verschiedenen Ideen.

Axel Achilles : " Am liebsten wäre uns, wenn wir einen Investor für alle vier Grundstücke fänden. " Dann nämlich wäre ausgeschlossen, dass sich unterschiedliche Ideen zur Bebauung gegenseitig im Weg stünden. Für diejenigen, die einzelne Grundstücke in der Innenstadt bebauen wollen, werden die Flächen an der Rohrstraße vorbereitet.

Im Liegenschaftsausschuss sorgte der städtische Willen zum Lückenschluss für Wohlwollen. FDP-Stadtrat Günter Unnau : " Es hat ja auch recht lange gedauert, bis hier etwas geschieht. " Das, so die Auskunft aus der Verwaltung, sei allerdings nicht schuld der Kommune. Denn da Grundstücke zunächst von Eigentümern gekauft werden mussten, seien lange Verhandlungs- und " Erkenntnisprozesse " zu absolvieren gewesen. Letzteres wohl mit Blick darauf, dass die Preisvorstellungen über den Wert von Grundstücken gerade in der Nachwendezeit sich häufig an denen der boomenden Großstädten orientiert hätten.