Die Schülerbeförderung kostet den Landkreis in diesem Jahr mehr als geplant. Nicht, dass der Busverkehr teurer geworden wäre. Die diesbezüglichen Finanzplanungen gingen von den falschen Voraussetzungen aus. Rund 400 000 Euro hätten gegenüber dem Vorjahr eingespart werden sollen. Doch die dafür notwendige Staffelung der Schulanfangszeiten gibt es noch nicht.

Stendal. Auch wenn es " wahrscheinlich das letzte oder vorletzte Mal " gewesen sein sollte, wie Landrat Jörg Hellmuth den Mitgliedern des Finanzausschusses in Aussicht stellte : Die Pille, die er ihnen während der ersten Sitzung nach der Sommerpause zu schlucken gab, ist bitter. Die Rechnung der Finanzplaner in der Kreisverwaltung, bei den Kosten für die Schülerbeförderung in diesem Jahr rund 400 000 Euro gegenüber dem Vorjahr zu sparen, wird nicht aufgehen. Zwar koste es voraussichtlich 42 000 Euro weniger als 2008, die Mädchen und Jungen aus dem gesamten Kreis sicher und pünktlich zur Schule und zurück zu bringen, das sind aber immer noch 372 000 Euro mehr, als dafür im Haushaltsplan 2009 per Kreistagsbeschluss abgesegnet.

Woher dieses Missverhältnis ? Es sei geplant gewesen, bereits ab diesem Jahr die Schulanfangszeiten zu staffeln und damit den Schülerverkehr effektiver zu machen. Das jedoch müsse gründlich vorbereitet werden und sei deshalb in diesem Jahr noch nicht möglich gewesen, begründete der Landrat. Zum Hintergrund : Bereits vor zwei Jahren begann der Kreistag mit der Suche nach Möglichkeiten, die Schülerbeförderung zu optimieren. Eine Studie, die daraufhin erarbeitet wurde, favorisierte – wie später auch der Kreistag – die Staffelung der Schulanfangszeiten. Der Effekt wäre, dass ein Bus mehrere Linien nacheinander fahren könnte. Bislang sind, da in allen Schulen im Landkreis die Glocke zum Unterrichtsbeginn nahezu zeitgleich läutet, allmorgendlich 57 Busse im Einsatz. " Wir hoffen, durch eine Staffelung der Schulanfangszeiten drei, vier oder fünf Busse einsparen zu können. Das wären dann die 300 000 bis 400 000 Euro ", so Jörg Hellmuth.

Die Diskussion darüber wurde im vergangenen Jahr unter anderem im Schulausschuss des Kreistags angeschoben, sollte auch in die Schulen, in die Elternvertretungen getragen werden. Allerdings scheint das Thema sehr sensibel, weil es schlussendlich für die Familien, die ihre Tagesplanung den neuen, früheren Schulanfangszeiten ihrer Kinder anpassen müssten, auch akzeptabel sein muss.

Ein Aspekt, auf den Dr. Rudolf Opitz, Finanzausschussmitglied und Tangermünder Bürgermeister, aufmerksam machte. Wenn solche Planungen angeschoben würden, " sollte man doch darauf achten, dass die älteren Schüler morgens als erste fahren und nicht die Grundschüler ".

Das aber ist in den bisherigen Planspielen zur Staffelung des Schülerverkehrs nicht so. Würden sie so umgesetzt, wie es der derzeitige Entwurf dazu vorsieht, wären es vor allem Grundschüler, deren Schulanfangszeiten sich ändern würden. Doch das ist noch nicht ausdiskutiert. Carsten Wullfänger, zweiter Beigeordneter des Landrats, dazu : " Das wird ein fließender Prozess, denn da müssen viele Partner einbezogen werden, nicht zuletzt die Schulen und die Schulelternkonferenzen. "

Bis dieser " Prozess " zu einem Ende geführt ist, wird der Schülerverkehr für den Landkreis voraussichtlich nicht kostengünstiger zu haben sein. 3, 87 Millionen Euro sind dafür in diesem Jahr nötig, inklusive besagter 372 000 Euro Mehrkosten, die bislang noch nicht im Haushaltsplan standen. Darin, so votierten die Mitglieder des Finanzausschusses, sollen sie nun aufgenommen werden. Eine Deckung für diese Mehrausgaben gebe es im Haushalt allerdings nicht, sagte Landrat Hellmuth. Bezahlen wird der Landkreis diese nicht geplante Mehrausgabe dennoch, dazu ist er verpflichtet. " Verbucht " wird dieser Fehlbetrag vorerst als ein Teil des Haushaltsdefizits des Landkreises, das in diesem Jahr voraussichtlich auf 21,7 Millionen Euro anwachsen wird.