Gardelegen. Die Schließung der Swedwood Gardelegen GmbH sei nicht defi nitiv, sagt die Geschäftsleitung einerseits. Ein erster Entwurf des Sozialplans liege andererseits bereits vor. Während einer Betriebsversammlung gestern Nachmittag brachte die Belegschaft lautstark ihren Unmut über die unklare Situation zum Ausdruck. " Die Geschäftsleitung hat immer noch keine klare Aussage getroffen. Jetzt ist es genug, wir wollen Klartext reden und eine Lösung fi nden ", äußerte der Betriebsratsvorsitzende Rainer Bromann und kündigte Aktionen vor den Ikea-Filialen in Leipzig und Braunschweig an.

Das erhoffte Ergebnis, nämlich die Klarheit, ob ihre Arbeitsplätze verloren sind oder nicht, blieb gestern aus. Die Versammlung brachte eher das Gegenteil : noch mehr Verunsicherung darüber, wie es mit der Gardeleger Swedwood GmbH nach dem verkündeten Produktionsstopp zum 25. September weitergehen wird.

Die 44-jährige Solveig Holle ist eine der ersten, die nach der Versammlung das Betriebsgelände verlässt. " Mir bleibt nur noch der Galgenhumor, so verzweifelt ist die Situation. Welcher Arbeitgeber nimmt mich denn noch in meinem Alter. Und die Region Gardelegen bietet keine Alternativen ", so die Verpackerin. Und weiter : " Wir haben nur noch die Chance zu kämpfen bis zuletzt, um wenigstens noch eine gute Abfi ndung auszuhandeln. "

Der Betriebsrat kommt wenig später ernüchtert und enttäuscht aus der Betriebsversammlung. " Die Belegschaft und wir hatten etliche Fragen an die Geschäftsleitung und den Swedwood-Präsidenten. Doch beide Parteien haben nur inkonkret rumgeeiert. Dass die Kollegen da natürlich aufgebracht reagieren, ist verständlich ", so der Betriebsratsvorsitzende Rainer Bromann in Anspielung an die Buhrufe, die bis vor das Betriebsgelände drangen. Die Veranstaltung sei dann unterbrochen worden mit der Forderung des Betriebsrats nach neuen Ansprechpartnern direkt vom Ikea-Unternehmen. " Es hat uns sehr verwundert, dass die Geschäftsleitung immer noch davon redet, dass der Standort Gardelegen nicht geschlossen wird. Wir haben nur noch wenig Hoffnung. Für uns erscheint das eher Beruhigungs- oder Hinhaltetaktik zu sein. Doch wir wollen jetzt handeln und Lösungen finden ", so Bromann weiter. Belegschaft und Betriebsrat hätten den Vorschlag unterbreitet, einen Investor zu suchen, um das Unternehmen zu kaufen. Auch Konrad Fuchs präferiere diese Lösung. " Doch auch dann geht es nicht ohne die Produktion der Billy-Regale für Ikea, wie wir es seit 27 Jahren hier tun. Die Maschinen sind zu spezialisiert, als dass wir ein komplett anderes Produkt für einen fremden Kunden produzieren könnten ", blickte Bromann voraus.

Der erste Entwurf eines Sozialplans, den die Geschäftsleitung vorgelegt hat, werde der Betriebsrat defi nitiv ablehnen. " Für uns geht es immer noch um die Arbeitsplätze ", betonte der Betriebsratschef. Streiks seien nicht in Planung, dafür die Kundgebung vor Ikea-Filialen in Leipzig und Braunschweig. Bromann : " Unser Billy-Regal feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Wir feiern mit. Wenn schon nicht mit Ikea, dann doch auf jeden Fall davor. "