Stacheldraht um den Schulhof – das wird, wenn es nach den Wünschen der Stadtverwaltung geht, an der Ganztagsgrundschule Wirklichkeit. Es geht darum, das Schulgelände vor Randalierern zu schützen.

Stendal. Regentropfen glitzern auf den Steinplatten, dazwischen liegen Zigarettenkippen. Im Schulgarten sind einmal mehr die Pf anzen aus dem Boden gerissen. Das ist ein Bild, das sich Schülern und Mitarbeitern an der Ganztagsgrundschule fast täglich bietet. Gerade in der Zeit vor den Ferien hatte die Schulleitung nahezu täglich Schadensmeldungen an die Stadtverwaltung absetzen müssen.

Auf der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Schule und Sport am Dienstag jetzt der Vorstoß aus der Stadtverwaltung : Der Schulhof soll dichtgemacht werden. Der Zaun soll erhöht werden, es sollen sogenannte Abweiser installiert werden – jene um 45 Grad geneigten Teile eines Zaunes, die das Überklettern unmöglich machen. Gekrönt werden soll das Ganze von Stacheldraht. Unbehagen bei den Kommunalpolitikern beim Gedanken an Stacheldraht am Schulhof. Kann man da nicht etwas anderes machen : Sozialarbeiter und das Ordnungsamt vorbeischicken oder mit den Jugendlichen einfach einmal reden ?

Hochbauamtsleiter Günter Güldenpfennig und Jugendamtsleiter Torsten Mehlkopf winken beim Gedanken auf eine stärkere Präsenz kommunaler Mitarbeiter ab : Finanziell und personell sei das nicht zu leisten. Kaum für eine Schule, schon gar nicht für alle kommunalen Objekte, die das Herz von Randalierern höher schlagen lassen.

Und was die Gespräche angeht, winkt Anette Lenkeit, Leiterin der Schule, ab : " Natürlich suchen wir mit den jungen Leuten, die sich auf dem Schulhof versammeln, das Gespräch. " Lenkeit, die an der Ausschusssitzung teilnahm, um aus erster Hand ein Bild von der Situation auf dem Schulhof zu vermitteln, machte deutlich, dass sie längst auch Anzeige gegen Unbekannt gestellt habe. Gegen Unbekannt, weil noch niemand beim Randalieren auf frischer Tat beobachtet worden ist. Zu beobachten sind indes, so Lenkeit, die Folgen tags darauf. Sie berichtet von Urin im Sandkasten, Scherben im Sand, abgeernteten und herausgerissenen Obstbüschen, von beschmierten Fassaden, Zigarettenstummeln auf dem Boden, von zertrümmerten Gebäudeteilen – die Liste ließe sich fortsetzen.

So dann also doch die Zustimmung der Kommunalpolitiker : Ja, die Verwaltung solle tun, was nötig ist, um die Randalierer vom Gelände der Ganztagsgrundschule zu vertreiben. Gestrichen werden soll in diesem Zusammenhang auch die werktägliche Öffnung des Schulgeländes. Die war eingeführt worden, als Fremde bereits vor geraumer Zeit Gefallen am Schulhof gefunden hatten. Ihre Besuche sollten – wohl als eine Art Kompromiss – mit der Öffnung in geregelte Bahnen gelenkt werden.

Die Kosten für die Erhöhung des Zaunes samt Stacheldraht sollen übrigens rund 8000 Euro betragen. " Das zahlen wir gern ", so der Kommentar von Hochbauamtsleiter Günter Güldenpfennig. Denn dieser Betrag ist nur ein Bruchteil dessen, was auf dem Gelände bislang durch die Hand der Randalierer zu Bruch gegangen ist – und was wahrscheinlich noch zerstört werden wird, falls nichts passiert.