Sandau. Knapp 200 Mitglieder und Interessenten hatten sich im Sandauer Schützenhaus eingefunden. Erstmals tagte die Bürgerinitiative auf der ostelbischen Seite. Die Mitgliederzahl stieg von anfänglich 52 auf nunmehr 178 – darunter auch die Mitglieder des Gemeinderats und des Heimatvereins aus Klietz.

Nach den anfänglichen Turbulenzen im Vorstand sieht sich die Bürgerinitiative ( BI ) gegen den Bau des Steinkohlekraftwerks bei Arneburg gut aufgestellt. Darüber informierten die Vorstandsmitglieder Adolf Gröger aus Stendal und Anke Kobelt aus Arneburg am Montagabend auf der Mitgliederversammlung in Sandau.

Prominentester Neuling im Vorstand der BI ist Oliver Wendenkampf, der Landesgeschäftsführer der Naturschutzorganisation BUND. Er fungiert bis zur Neuwahl – geplant während der nächsten Versammlung am 13. Oktober – als kommissarischer Vorsitzender. Ihre Unterstützung sicherte auch Bundestagsmitglied Undine Kurth ( Bündnis 90 / Die Grünen ) zu, ebenso die Deutsche Umwelthilfe und die Klima-Allianz.

Vor allem in den vergangenen vier Wochen habe sich einiges in organisatorischer Hinsicht in der BI getan, informierte Anke Vogel. So wurden sieben Arbeitsgruppen gebildet, unter anderem fürs Internet, die externe und interne Kommunikation, für Gesundheit, Marketing und Recht.

Als persönliches Zeichen der Ablehnung des Kraftwerkbaus wurden beiderseits der Elbe einige hundert rote Andreaskreuze vor Wohnhäusern aufgestellt. 1200 Unterschriften gegen einen Kraftwerkbau bei Arneburg wurden gesammelt, 800 davon in Havelberg.

Erste Kontakte stellte die BI zu Anwälten her. Allein dafür hätten bereits um die 2500 Euro berappt werden müssen, so Adolf Gröger, der für einen möglichen Rechtsstreit mit dem potenziellen Kraftwerks-Bauherren RWE-Power um Spenden bat. Ein solcher könne bis zu 30 000 Euro kosten.

Alle greifbaren Informationen wurden inzwischen auf der Internetseite der Bürgerinitiative zusammengeführt, informierte Florian Lewerken. Pressesprecherin Renate Lewerken will weitere Unterstützer gewinnen, unter anderem den Bundespräsidenten. Die Arbeitsgruppe ( AG ) Öffentlichkeitsarbeit will Mitglieder betroffener Gemeinderäte anschreiben, Flugblätter erstellen und Infostände organisieren, die Gesundheits-AG Mediziner als Mitstreiter und Referenten gewinnen. Geplant ist, demnächst auch T-Shirts zu bedrucken.

Adolf Gröger informierte, dass der geänderte Flächennutzungsplan für Arneburg ab morgen ausliegt, mit Sondergebieten für Kraftwerk und Hafen. Betroffene Bürger können in der Auslegungszeit Einwände erheben, Musterbriefe der BI dafür seien in Vorbereitung. " Wir wollen den Prozess nicht verzögern, sondern nur eine korrekte Prüfung ", so Oliver Wendenkampf.

Die Bürgerinitiative hatte geplant, beim Hafenfest in Arneburg – es f ndet am Wochenende statt – einen Infostand aufzustellen. Das habe Bürgermeister Lothar Riedinger wegen der nicht ausreichenden Stellfächen abgelehnt, so Gröger. Ein ähnlicher Antrag des BUND solle erst im Stadtrat beraten werden, ergänzte Oliver Wendenkampf.

Während der Diskussion meldete sich Dr. Günter Bähne aus Klietz zu Wort. Er warnte vor verstärkter Abwanderung aus der Region, sollte das Werk gebaut werden.