Mehr als 100 Seiten und keine leicht verständliche Lektüre : Noch bis zum 15. September liegt der Vorentwurf des überarbeiteten Flächennutzungsplans der Stadt Arneburg öffentlich aus. Das Interesse daran steigt mit dem Widerstand gegen den möglichen Bau eines Kohlekraftwerks im Arneburger Industrie- und Gewerbepark. Aber auch mit dieser überarbeiteten Fassung des Plans steht dem nichts entgegen.

Arneburg. Mehr als ein Dutzend Interessierte haben sich den Plan bereits angeschaut – ordentlich dokumentiert mittels Unterschrift im Bauamt. Das öffentliche Interesse an der vom Planungsbüro Wallraf & Partner aus Dessau-Roßlau und der IHU Geologie und Analytik Stendal erarbeiteten Bedarfsplanung – Zielzeitraum ist das Jahr 2025 – ist groß. Denn auch der Industrie- und Gewerbepark Altmark ( IGPA ) mit seinen Flächen für ein potenzielles Steinkohlekraftwerk wird von dem Flächennutzungsplan ( FLP ) erfasst. Dass der Flächennutzungsplan jetzt überarbeitet wird, liegt nicht nur am Flächentausch mit Nachbargemeinden, sondern eben auch am Kraftwerksprojekt. " Das Kraftwerksareal ist bislang im Flächennutzungsplan als gewerbliche Baufl äche ausgewiesen ", heißt es in der Begründung. Künftig soll diese 150, 8 Hektar große Bruttofläche des 442 Hektar umfassenden IGPA der Energieversorgung dienen. 120 Arbeitsplätze könnten mit dem Kraftwerk entstehen, weitere 188 Arbeitsplätze im Umfeld, sagen die Planer voraus.

Die Folgen eines Kraftwerks haben die Planer untersucht. Unter anderem die Auswirkungen des Flächenverbrauchs, die Barrierewirkung der Gebäude, die Entnahme von Kühlwasser aus der Elbe, Schallund Lichtimmissionen, die kleinklimatischen Veränderungen und die Schadstoffimmissionen. In den Untersuchungsraum sind die Orte Arneburg, Dalchau, Altenzaun und Klein Ellingen einbezogen. Ein Blick über die Elbe nach Sandau und Havelberg erfolgt nicht. Der Flächennutzungsplan beschränkt sich auf das städtische Gebiet von Arneburg. Auch Naturschutzgebiete wie das EU-Vogelschutzgebiet " Elbaue Jerichow " sind einbezogen worden.

Die " Vorbelastung " durch das Zellstoffwerk erweist sich am Ende bei vielen Punkten als Türöffner für ein Kraftwerk. Hinsichtlich des Schadstoffausstoßes wird auf " moderne Filteranlagen " verwiesen.

Ebenfalls keine unüberwindbaren Hürden werden beim Kühlwasser gesehen. Immerhin werden stündlich 600 Kubikmeter Elbewasser benötigt. Zum Vergleich : Laut dem Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung fließen in der Elbe bei Tangermünde jede Sekunde 224 Kubikmeter Wasser Richtung Meer, und das bei Niedrigwasserstand. Über die einst für das Kernkraftwerk künstlich angelegte 26 000 Quadratmeter große Insel in der Elbe soll das Wasser zum Kraftwerk geleitet werden. Der bereits vorhandene Hafen soll einen Bahnanschluss erhalten und zur " trimodalen Umschlagstelle " ausgebaut werden. Was nichts anderes heißt, als dass Güter per Schiff, Bahn oder Lkw angeliefert beziehungsweise abtransportiert werden.

Und der Tourismus ? An Arneburg führt der Elbradwanderweg vorbei. Auch bei diesem Punkt wird das Zellstoffwerk angeführt und schließlich heißt es, dass das Gebiet im Allgemeinen keinen Anreiz für Erholungsnutzung biete.

Für das Einleiten eines Genehmigungsverfahrens für den Bau eines Steinkohlekraftwerks durch die RWE Power AG ist die Überarbeitung des Flächennutzungsplans nicht von Bedeutung. Denn seit Jahren gibt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan für den Industrie- und Gewerbepark, der zuletzt im Februar 2009 geändert wurde. Sollte jetzt ein Bauantrag gestellt werden, muss die Stadt Arneburg ohne Wenn und Aber zustimmen, erfuhr die Volksstimme aus gut informierten Kreisen.