Die Bürgerinitiative " Kontra Schweinemast Mahlwinkel / Cobbel " protestiert seit sechs Jahren gegen den Neubau einer Schweinemastanlage für rund 80 000 Tiere auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens bei Mahlwinkel. Am Wochenende feierte sie gemeinsam mit dem Bund für Umwelt- und Naturschutz ( BUND ) und weiteren Bürgerinitiativen ein buntes Sommerfest. Auch wenn dabei nicht jedem wirklich zum Feiern zumute war.

Mahlwinkel / Cobbel. " Wir wollten einfach mal in entspannter Atmosphäre zusammenkommen und zeigen, dass diese Art der Fleischproduktion nicht gewollt ist, dass es aber kaum Alternativen gibt ", beschreibt Julia Wendenkampf, stellvertretende Geschäftsführerin des BUND in Sachsen-Anhalt, den Hintergrund des Festes am Wochenende. Dabei gehe es nicht nur um Schweineanlagen wie zwischen Cobbel und Mahlwinkel. 30 Anlagen zur Massentierproduktion seien derzeit in Sachsen-Anhalt geplant, noch einmal so viele bereits im Genehmigungsverfahren und weitere 15 Anlagen, die schon baureif seien, fasst sie zusammen.

Neben kreativen Angeboten, die sich rund um den Protest gegen die Massentierhaltung drehten, gab es in Mahlwinkel auch ein improvisiertes Theaterstück, organisiert

von der BUND-Jugend. Die Frauen des Dorfes hatten gebacken und sowohl Feuerwehr als auch Sportverein unterstützten das Sommerfest aktiv. Zum Fest gehörte aber auch ein Austauschforum, und dazu begrüßte BI-Sprecherin Kristina Grahn aus Mahlwinkel unter anderem Vertreter des Initiativkreises Gerbisbach sowie der Bürgerinitiative " Pro Weißenfels ". Beide hatten aus ihrer Sicht wenig gute Neuigkeiten mitgebracht. Gabi Wolf aus Gerbisbach, einem Ortsteil der Stadt Jessen, brachte es auf den Punkt : " Wir sind mit einem weinenden und einem kämpferischen Auge hergekommen, aber zum Feiern ist uns gerade nicht zumute. Nach fast vier Jahren Kampf gegen die Schweinefabrik müssen wir mit einer Genehmigung leben, deren Inhalt uns nur in unserem Kampf bestätigt ", sagt die Stadträtin und Sprecherin des Initiativkreises. Der sofortige Vollzug sei angeordnet worden, das heißt, der Investor könne sofort mit dem Bau beginnen. Aber, so betont Gabi Wolf : " Für uns ist das auf keinen Fall ein Schlussstrich, wir machen weiter ! Das Ganze hat unser Leben beherrscht und jetzt wird es noch schlimmer, wir haben gerade vier Wochen Zeit, Einspruch einzulegen. "

Der BI in Mahlwinkel / Cobbel riet sie : " Ihr müsst kämpfen, es darf gar nicht erst zur Antragstellung kommen, dieser Zug überrollt dann alles ! Rehhahn ( Berater des Investors, Anm. d. Red ) zählt bei uns auf, was alles noch gemacht werden muss, aber es gibt einen sofortigen Vollzug - das ist unbegreifl ich !" Gleichzeitig betonte sie : " Wenn es mehr Leute geben würde wie Mahlwinkels Bürgermeisterin Karin Osterland, die sagen, was Sache ist, dann würde es solche Anlagen nicht geben. " Die Rolle der Mahlwinkeler Bürgermeisterin im Kampf gegen die Schweinemastanlage bei Mahlwinkel würdigte auch Kristina Grahn : " Ich danke Karin Osterland, dass sie Rehhahn für seinen Bestechungsversuch angezeigt hat, es war ein unheimlich schwerer Weg, aber es hat vielen Bürgerinitiativen den Rücken gestärkt. "

Pfarrer Peter Gümbel, ebenfalls Mitglied der BI Mahlwinkel / Cobbel und Gemeinderatsmitglied in Cobbel, fasste zusammen : " In Mahlwinkel gab es ein wichtiges Signal, dass der Bau einer solchen Anlage erfolgreich verhindert werden konnte, deshalb wurde die Planung ja anschließend in die Cobbeler Gemarkung verlegt. " Jetzt gebe es einen Flächennutzungsplan für Cobbel, darin enthalten sei ein Eignungsgebiet für Photovoltaik auf dem Gelände des einstigen Militärflughafens, ein anderes Gebiet wurde für Tierhaltung ausgewiesen.

Aber, so Gümbel : Derzeit sei Ruhe in das Projekt Schweinemastanlage gekommen. Und das könnte auch damit zusammenhängen, dass der Investor auf die Umstrukturierungen im Rahmen der Gemeindegebietsreform warte. " Wir befürchten, dass er abwartet, bis der große Einheitsgemeinderat in Kraft ist. Dann haben wir vielleicht nächstes Jahr eure Situation hier ", sagte er in Richtung Gerbisbach. Der Cobbeler Gemeinderat habe sich Rechtsbeistand geholt, wenn es diesen Rat aber nicht mehr gibt, hätten die Cobbeler kaum Möglichkeiten, noch gegen die Planungen vorzugehen.

Clemens Wanzke von der Bürgerinitiative " Pro Weißenfels ", die gegen die Erweiterung des Schlachthofes in der Innenstadt kämpfte, berichtete : " Wir sind im Klageverfahren gegen die Erweiterung und versuchen, an nachgereichte Unterlagen heranzukommen. Dass der Investor überhaupt die Möglichkeit hat, Dinge nachzureichen, das geht doch nicht. Die Politik ist gefordert, mehr Transparenz in diese Verfahren reinzubringen, aber es scheint politisch gewollt, dort täglich 20 000 Schweine reinzufahren. Wir müssen nicht von Sachsen-Anhalt aus die halbe Welt versorgen, in anderen Ländern jagt man die Investoren fort, und hier zahlt man Fördergelder, damit sie das Gleiche nochmal machen können. Wir werden dran bleiben, denn nur wenn wir klagen, haben wir die Möglichkeit, etwas zu ändern. " Kristina Grahn beschrieb die alte Barockstadt Weißenfels als " Villenviertel mit Schlachtfabrik " und lobte die Zusammenarbeit mit dem BUND, der die Vernetzung der Bürgerinitiativen unterstützt. Im Rahmen des Sommerfestes moderierte Pfarrer Peter Gümbel ein Interview mit Karin Osterland im Zusammenhang mit dem Bestechungsskandal rund um die geplante Anlage in Mahlwinkel. Nachdem Berater Helmut Rehhahn 2008 wegen Bestechungsversuchs verurteilt worden war, ist das Urteil inzwischen vom Oberlandesgericht Naumburg aufgehoben worden. Mehr dazu lesen Sie in Kürze.