Die Tage der beengten Tagesstätte für Demenzkranke in der Magdeburger Straße sind gezählt. In Kürze beginnt die Bürgerinitiative Stendal mit dem Umbau ihres wesentlich größeren Domizils in der Carl-Hagenbeck-Straße. Gestern informierte sich der CDUBundestagsabgeordnete Dr. Hans-Heinrich Jordan über den Stand der Dinge.

Stendal. Marion Mohr sprüht wie immer vor Tatkraft und Ideen. In allen Details lässt sie beim Rundgang durch die nüchternen leeren Räume vor den Augen von Hans-Heinrich Jordan die neue Tagesstätte erstehen : Das wird ein Gruppenraum für leichtere Fälle und Schlaganfallpatienten, hier das Zimmer für Physio- und Ergotherapie, dort wird man sich in Ruhesesseln entspannen können, und draußen vor den Fenstern entsteht ein umzäunter Garten, in dem man umherspazieren und sitzen kann.

In der nächsten Woche schickt die Bürgerinitiative Stendal ( BIS ) die Ausschreibungen heraus. Dann kann der Umbau auf den 338 Quadratmetern einer ehemaligen Kindereinrichtung in der ersten Etage des SWG-Wohnblocks beginnen. Ganze 100 Quadratmeter hat die jetzige Tagesstätte für Demenzkranke und Schlaganfallpatienten in der Magdeburger Straße. Können jetzt zusammen mit der kleinen Außenstelle in der Dr .-Gustav-Nachtigal-Straße 12 bis 13 Erkrankte am Tag betreut werden, so werden es künftig 25 sein. Darüber hinaus betreut die BIS zurzeit 20 Menschen in ihrer heimischen Umgebung.

Der Bedarf an dieser niedrigschwelligen Tagespf ege ist groß. " Allein die Sozialstation Süd hätte noch 40 Leute, die dafür in Frage kämen ", sagt Marion Mohr. Viele Pf egedienste hätten ihr schon Kooperationsbereitschaft signalisiert, berichtet sie dem Mann aus dem Bundestag. Denn : Da die Tagespfege in Sachsen-Anhalt so gut wie nicht gefördert wird, funktioniere sie nur in Form einer Zusammenarbeit. Marion Mohr : " Die Pf egedienste stellen das Fachpersonal, und wir haben die Ehrenamtlichen. Anders ist das nicht f nanzierbar. "

Eine andere Lösung sieht auch Hans-Heinrich Jordan nicht. Deshalb nennt er das BIS-Projekt " eine tolle Sache, der man nur die Daumen drücken kann ". Zuvor hat er in der Magdeburger Straße eindrucksvoll erlebt, wie notwendig und schwer das ehrenamtliche Engagement der BIS-Mitarbeiter ist, die sich um teilweise orientierungslose und in ihrer Persönlichkeit stark veränderte Menschen kümmern.

Der Umbau in der Carl-Hagenbeck-Straße, den Marion Mohr seit drei Jahren im Auge hat, soll 170 000 Euro kosten. Mit 105 000 Euro fördert das Land Sachsen-Anhalt das Projekt, 65 000 Euro steuert die SWG bei. Den in den nächsten Tagen beginnenden Rückbau, etwa von alten Sanitäranlagen, will die BIS aus eigener Kraft stemmen.

In der neuen Einrichtung wird es möglich sein, die Patienten nach drei Demenzgraden getrennt zu betreuen. Neben den eigenen Fachkräften, die die Bürgerinitiative in ihren Reihen hat, unterstützt auch die Fachhochschule das Projekt. Auch wenn die Finanzierung des Umbaus gesichert ist, ist die BIS doch dankbar für jede Spende. So müssen Möbel gekauft und die Küche eingerichtet werden.

Marion Mohr berichtet über " erstaunliche Erfolge " der bisherigen Tagesbetreuung : " Es gibt Menschen, mit denen kann man wieder Worte wechseln, was vorher gar nicht mehr möglich war. "