Zunächst schlug die Stadtverwaltung eine andere Richtung ein, jetzt soll Stendal eine " echte " Hansestadt werden wie Lübeck, Wismar oder Hamburg. Vorausgesetzt, die wahlberechtigten Bürger der Stadt wollen das auch. Zusammen mit der Bundestagswahl am 27. September können sie ihr Votum abgeben.

Stendal. Die Stimmzettel werden bereits gedruckt. Jeder der knapp 30 000 Wahlberechtigten Stendaler kann am 27. September, wenn er ohnehin zur Bundestagswahl an die Wahlurne gerufen wird, sein Votum abgeben. Es ist ganz einfach. " Sind Sie damit einverstanden, dass die Stadt Stendal ... den Namen ‚ Hansestadt Stendal ‘ erhält ?" Diese Frage ist mit Ja oder Nein zu beantworten. " Setzt eine Mehrheit ihr Kreuz beim Ja, wird die Stadt bei der Kommunalaufsicht die Umbenennung beantragen ", schildert Stadtsprecherin Sybille Stegemann den weiteren Werdegang.

Die Prüfung durch die übergeordnete Behörde gilt aber nur noch als formaler Akt. Dem Hansestadt-Namen steht nichts mehr entgegen. Die Mitgliedschaft Stendals im norddeutsch-europäischen Städte- und Kaufleuteverbund in der Zeit von 1359 bis 1518 ist eindeutig nachgewiesen. Und das mittelalterliche Stadtbild spricht eine deutlich hanseatische Sprache. Der ovale Grundriss der Altstadt, die Backsteingotik ihrer wichtigsten Gebäude, der aus doppel- und eintürmigen gotischen Kirchen bestimmte Rhythmus der Silhouette weisen auffallende Ähnlichkeiten mit Lübeck, der Königin und Hauptstadt der Hanse, auf.

Den Namenszusatz Hansestadt trägt Stendal schon seit einem Stadtratsbeschluss vom 17. Dezember 2007. Das berechtigt allerdings noch nicht dazu, die Ortseingangsschilder zu ändern. Dazu muss der Stadtname offiziell umbenannt werden, vergleichbar mit Lutherstadt Wittenberg oder Reuterstadt Stavenhagen. Diesen Weg einzuschlagen, beschloss der Stadtrat in diesem Jahr, nachdem andere altmärkische Städte wie Salzwedel, Osterburg oder Werben bereits " echte " Hansestädte geworden sind.

Sybille Stegemann betont, dass die Umbenennung den Bürgern keinerlei Kosten aufbürdet. Die Personalausweise haben weiterhin Gültigkeit, und bei Namensänderungen von Vereinen im Register sollen keine Gebühren erhoben werden. Die Stadt muss lediglich ein paar neue Ortseingangsschilder anfertigen lassen.

Das erste soll am 2. Oktober auf dem Marktplatz mit Musik und vom Hansebund spendiertem Freibier enthüllt werden, kündigte Michael Standke von der Stendal-Information gestern an.