Auf dem Weltmarkt ziehen die Ölpreise wieder an, doch der vorangegangene Preisverfall schlägt weiter auf den Gaspreis durch. Die Stadtwerke kündigten gestern die für den 1. Oktober schon im Juni versprochene dritte Preissenkung dieses Jahres an. Erdgas soll sich um neun Prozent verbilligen.

Stendal. Dass sie ausgerechnet in der vergangenen Heizperiode die Gaspreise stark in die Höhe schraubten und sie erst im Frühjahr allmählich abschmolzen, brachte den Stadtwerken viel Kritik ein. " Unberechtigt ", wie der städtische Energie- und Wasserversorger immer wieder beteuerte.

Als Beweis, dass es nicht um Geldschneiderei geht, präsentierte Geschäftsführer Thomas Bräuer gestern die dritte Preissenkung dieses Jahres. Sie tritt am 1. Oktober in Kraft, und Bräuer garantiert : " Dieser Preis gilt für mindestens sechs Monate, also über die gesamte Heizperiode. Dann müssen wir schauen, wo der Ölpreis steht. "

Erdgas wird für die rund 5000 Kunden der Stadtwerke um durchschnittlich neun Prozent billiger. Bei unveränderten Grundpreisen geben die Kosten für die Kilowattstunde brutto um 71 Cent nach. Bei einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden, der in etwa dem eines Einfamilienhauses entspricht, so rechnet Bräuer vor, werde sich die Gasrechnung um 142 Euro verringern. Zusammen mit den Preissenkungen vom März und Mai dieses Jahres addiere sich der Nachlass im Vergleich zum Jahresbeginn auf 392 Euro.

Und Bräuer macht auf weitere Einsparmöglichkeiten aufmerksam : Wer den Family- oder Business-Tarif nutzt, erhält 119 Euro Rabatt. Zudem bekommen Kunden, die sowohl Gas als auch Strom von den Stadtwerken beziehen, einen Bonus von 29, 75 Euro, so dass sich die Jahresrechnung für Erdgas um insgesamt über 540 Euro verringern könnte. Damit werde fast wieder das Niveau von Oktober 2006 erreicht, als für 20 000 Kilowattstunden 1236 Euro bezahlt werden mussten. Anfang dieses Jahres waren es 1855 Euro.

Thomas Bräuer führt die Preissenkung zum einen auf die Weltmarktentwicklung beim Öl zurück, die sich zeitlich versetzt auf den Gaspreis auswirkt, zum anderen auf den zum 1. Oktober vergangenen Jahres vollzogenen Wechsel des Gaslieferanten. " Wir bekommen die gleiche Leistung für weniger Geld und geben das an unsere Kunden weiter ", sagte er gestern.

Nachdem die Stadtwerke bereits zehn Prozent ihres Stroms außerhalb der Stadt Stendal verkaufen – Bräuer : " Wir liefern bis Bayern " –, wollen sie auch auf dem Erdgasmarkt in der gesamten Altmark verstärkt expandieren. Bräuer visiert zunächst die mit der Gebietsreform in den Stendaler Schoß fallenden Gemeinden an. Viele der Gebietskonzessionsverträge, nach der Wende geschlossen, laufen nach 20 Jahren aus. Die Gemeinden haben über eine Neuvergabe zu entscheiden, und die Stadtwerke werden sich bewerben. Thomas Bräuer rechnet sich gute Chancen aus, in den Markt des früheren Stadtwerke-Gesellschafters

Eon-Avacon einzudringen.

Die Helmstedter waren im vergangenen Jahr aus ihrem Engagement beim Stendaler Versorger ausgestiegen, mussten ihre Anteile in Höhe von 37, 45 Prozent aus kartellrechtlichen Gründen verkaufen. Dabei sind die Stadtwerke auch am Leitungsnetz interessiert. " Sollten wir die Konzession bekommen, werden wir uns um eine Regelung bemühen, das Netz vom jetzigen Eigentümer zu erwerben ", sagt der Geschäftsführer.

Insgesamt sehen sich die Stadtwerke im Energiewettbewerb gut aufgestellt. Laut Bräuer sei es gelungen, im Strombereich zehn Prozent der Kunden, die zu anderen Anbietern gewechselt sind, zurückzugewinnen. " Wir sind dabei, diesen Trend fortzusetzen ", sagt er. In Stendal buhlen immerhin 50 bis 60 Stromanbieter und sechs bis acht Gaslieferanten um die Gunst der Verbraucher.