Die Bombardierungen Stendals in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges hatten gestern ein Nachspiel. Kurz nach 9 Uhr morgens stießen Bauarbeiter bei Baggerarbeiten am Hohen Weg auf eine amerikanische Fünf-Kilo-Bombe, die in vier Metern Tiefe lag. Am Nachmittag gegen 16 Uhr war sie entschärft.

Stendal. Blindgängerfunde gab es in Stendal seit Jahrzehnten nicht. Doch die Gefahr ist auch 64 Jahre nach Kriegsende noch nicht gebannt. Am Hohen Weg, wo derzeit ein neuer Schmutzwasserkanal gebaut wird, stießen gestern Morgen Bauarbeiter bei Baggerarbeiten in vier Meter Tiefe auf eine fünf Kilo schwere US-amerikanische Bombe. Mit ihren zwei scharfen Zündern an der Kopf- und der Heckseite war sie noch immer kreuzgefährlich.

In Magdeburg machten sich sofort vier Männer vom Kampfmittelbeseitigungsdienst Sachsen-Anhalt auf den Weg. Die Polizei sperrte das Gewerbegebiet großräumig ab. In einem Umkreis von 500 Metern um den Fundort – der lag genau vor der Einfahrt zur Firma Altmark-Bus – mussten einige Kleingärten und 46 Industrie- und Gewerbebetriebe evakuiert werden. Die Milchwerke Mittelelbe mit ihren mehr als 300 Mitarbeitern mussten ihre Produktion herunterfahren, was mehrere Stunden in Anspruch nahm. Nach Informationen von Polizeisprecher Lutz Kirchhoff wurde ab 11 Uhr vorsichtshalber auch die Bahnstrecke Stendal–Tangermünde stillgelegt. Die Bahn richtete Schienenersatzverkehr ein. Von der Evakuierung nicht betroffen war das Einkaufszentrum Altmark-Park, weil es außerhalb des 500-Meter-Radius liegt.

An der der Fundstelle unmittelbar benachbarten Erdgastankstelle zischte Gas aus Ablassdüsen. Rüdiger Hanf von der Firma E.on. Avacon leerte die Gasvorräte in den Tanks. Ein Druck von 220 Bar musste heruntergefahren werden.

Gegen 15 Uhr nahmen die Sprengmeister Helmar Morgenthal, Olaf Machnik, Bernd Rose und Klaus Rölicke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst ihre Arbeit auf. Nach etwa einer Stunde war die Bombe entschärft – ohne Komplikationen. Auf einen Lkw verladen, wurde das gefährliche Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg anschließend zum Sprengplatz Hottendorf gefahren und zunächst sicher eingelagert. " Irgendwann wird sie dort dann gesprengt ", sagte Bernd Rose.