Vor vier Jahren gab es den ersten Selbsthilfe-Gesundheitstag in Stendal. Seither sensibilisiert er einmal im Jahr die Öffentlichkeit für Krankheitsbilder, die viele Menschen betreffen und will Tipps zum Umgang mit der Krankheit geben, ihnen helfen, Hemmschwellen zu überwinden und eventuell auch Kontakte zu Selbsthilfegruppen aufzubauen. In diesem Jahr wird der 30. September das breite Spektrum der Suchterkrankungen abdecken.

Stendal. " Als ich mich für dieses Thema entschied, wusste ich noch nicht, dass es in den Medien in diesem Jahr so präsent sein wird, " sagt Bärbel Riep. Die Ansprechpartnerin für Selbsthilfegruppen in der Regionalstelle Altmark / Jerichower Land des Paritätischen ist darüber allerdings nicht unglücklich. Im Gegenteil ist diese Tatsache Beleg für die Aktualität des Themas Sucht. Und da geht es nicht nur um " Klassiker " wie Medikamentenmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit. Auch die Computerwelt mit ihren faszinierenden Möglichkeiten, in fiktive Welten einzutauchen, hat Suchtpotenzial – nicht nur, aber vor allem für junge Leute. Einer der Gründe, warum Bärbel Riep im Vorfeld des Gesundheitstags in die Schulen geht und Jugendliche für diese Veranstaltung zu interessieren versucht. Auch die Cannabisabhängigkeit junger Leuten nehme zu. Es bleibe eben nicht immer beim gelegentlich gerauchten Joint, weiß sie von Fachleuten. Zu letzteren gehört Henrik Feige, Arzt auf der Suchtstation der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Fachklinikums Uchtspringe, der diese Einschätzung aus seiner Arbeit heraus teilt.

Es bleibt nicht beim gelegentlichen Joint

Die Cannabisabhängigkeit sei mittlerweile die hauptsächliche Suchterkrankung, die er und seine Kollegen auf dieser Klinikstation behandeln. Darüber wird der Mediziner während des Selbsthilfe-Gesundheitstags berichten.

Feiges Darlegungen zur Cannabisabhängigkeit bei Jugendlichen wird eines von vier Vortragsangeboten sein, die den Gästen des Selbsthilfe-Gesundheitstags am 30. September unterbreitet werden. Neben Henrik Feige spricht der Arzt Harald Scheidt über den Medikamentenmissbrauch. Der Sozialpädagoge Ulf Mehnert beantwortet die Frage, was stationär zu behandelnde Patienten in der Therapie erwartet. Bernd Kracht, Therapeut im Suchthilfezentrum " Haus Wulkau ", widmet sich in seinen – wie alle anderen Vorträge auf maximal 45 Minuten begrenzten – Ausführungen der Betreuung und Pflege chronisch mehrfach geschädigter, abhängigkeitskranker Menschen.

Das ist die eine Seite des Selbsthilfe-Gesundheitstags.

Die zweite, hauptsächliche, ergibt sich aus dem Anliegen, den Menschen, die Hilfe brauchen, das Überwinden von Hemmschwellen zu erleichtern. Selbsthilfegruppen unter anderem von Alkoholabhängigen und Psychisch Kranken oder an Depressionen Leidenden werden vor Ort sein, deren Mitglieder sich als Gesprächspartner für Besucher anbieten. Betroffene, Angehörige oder auch " nur " Interessierte bekommen die Möglichkeit zu Vier-Augen-Gesprächen in separaten Räumen der Katharinenkirche. Dafür stehen Mitglieder von Selbsthilfegruppen und einige der Ärzte nach ihren Vorträgen zur Verfügung.

Die Sicht eines Betroffenen auf dieses Thema schildert Jörg Böckem den Gästen des Selbsthilfe-Gesundheitstags. Der 43-jährige Autor liest aus Büchern, in denen er seine Sucht- und Entzugserfahrungen verarbeitete.

Vielfältige Informationen wird es am Stand des Paritätischen geben. Vor Ort sein werden unter anderem das " Blaue Kreuz ", die Caritas, die AOK mit einem Suchtberater, das Gesundheitsamt, Polizei und Verkehrswacht.

Ein Angebot für die ganze Altmark

All diese Angebote zu nutzen, ist die gesamte Altmark eingeladen. Daher steht auch das Angebot von Bärbel Riep, einen kostenlosen Bustransfer für Besuchergruppen aus der Westaltmark zu organisieren, sollten sich genügend Interessenten finden.

Zu erreichen ist die Leiterin der Kontaktstelle des Paritätischen für Selbsthilfegruppen dienstags, donnerstags und freitags unter der Telefonnummer ( 0 39 31 ) 68 94 21, montags und mittwochs in Salzwedel unter Tel. ( 0 39 01 ) 83 26 31 und ansonsten werktags unter der Funknummer ( 01 51 ) 16 26 67 44. Unter diesen Nummern können sich auch Selbsthilfegruppen melden, die den diesjährigen Selbsthilfe-Gesundheitstag zum Thema Sucht mitgestalten möchten.