Zur Verabschiedung des Polizeipräsidenten von Sachsen-Anhalt Nord, Johann Lottmann, kamen gestern gut 200 geladene Gäste in die Katharinenkirche. Es wurde ein großer Bahnhof mit großen Lobreden.

Stendal " Ich bin dann mal weg ", sagte Johann Lottmann schließlich, ging vom Podium und bleibt Stendal dennoch verbunden. Zuvor lag auch bei Klaus Schmotz das Hanseatische in der Kürze. Stendals Oberbürgermeister würdigte den aufrechten Beamten als einen " Mittler in Stendal ".

Einen, der den Draht zwischen Polizei, Verwaltung und lokaler Politik in seiner Zeit als Präsident der Polizeidirektion Stendal von 1995 bis 1997 recht schnell gelegt und hernach stets gepflegt hatte. Also in allen Bereichen des kommunalen Lebens ein Ansprechpartner und Zuhörer gewesen ist. So etwas schmiedet dann durchaus für die Ewigkeit zusammen. Denn auch, als Lottmann längst aus der Stadt wieder Richtung Magdeburg ab 1998 weitergezogen war, glühte jener Draht. " Wie vor anderthalb Jahren beim Aufmarsch der Rechten, als die Stadt einem Heerlager glich. Aber wir sind alle froh, dass es gewaltfrei abgelaufen ist ", erinnerte sich Schmotz an die damals brenzligen Tage und an den beruhigen Gedanken, Lottmann an seiner Seite zu wissen. Nicht nur dafür zollte ihm Schmotz aufrichtigen Respekt und sprach seinen Dank aus. Ein Geschenk sollte es zum Abschied schon sein, das die Stadt Stendal dem gebürtigen Ostfriesen durch ihr Oberhaupt mit in den Ruhestand übergab – eine Armbanduhr. Eine, die das Stadtlogo Stendals auf dem Ziffernblatt tragen.

Lottmann hatte hier seinen ersten präsidialen Posten bezogen ; er war oben angekommen – und das in Stendal. Zwei Jahre wurden daraus. " Ich fühle mich geehrt, dass so viele zu meiner Verabschiedung nach Stendal gekommen sind ", dankte Lottmann zurück. " Ich liebe die Altmark und Stendal. " Beides habe er von Sachsen-Anhalt am liebsten. So redet einer, der verwurzelt ist und sich nicht nur arrangiert hatte. Lottmann wurde einer von hier. " Ich war immer schon ein Ossi, erst Ostfriese, dann beruflich hier. " Und seine aus der Prignitz stammende Ehefrau Margit hatte er hier lieben gelernt. Mehr " Ossi " war selten. Weniger altmärkisch, dafür weltgewandt ließ sich Lottmann musikalisch verabschieden ; zünftig per Polizeiorchester mit Leonard Bernstein, Glenn Miller, Mitchell Pfortner Jarry Gray oder Jack Ham – seine persönlichen Vorlieben.