Heiß her geht es auf dem eiskalten Oval – das ist Eishockey. In Stendal gibt es zwar keinen eigenen Klub für diesen Sport – treue Fans gibt es dennoch. Und zwar die der Eisbären Berlin. Die Eisbären sind die einzige ostdeutsche Mannschaft in der höchsten Spielklasse der " Deutschen Eishockey-Liga ", und sie sind Deutscher Meister der vergangenen beiden Spielzeiten. Jetzt haben sich die Stendaler Fans in einem Fanklub organisiert.

Stendal. Eine Hochburg des Eishockeysports ist Stendal kaum. Doch Fans für die Jagd nach dem Puck gibt es auch in der Altmark. Vor zwei Monaten haben sich einige von ihnen in einem neuen Fanklub in Stendal zusammengefunden – im " Ost-Block ". Zurzeit zählen die Stendaler Eisbären-Fans in ihren Reihen 15 Gleichgesinnte. Einer von ihnen ist Ronny List. Er sagt : " Wir wollen einmal im Monat zu einem Heimspiel nach Berlin, einmal im Monat auch zu einem Auswärtsspiel fahren. " Auch wenn das Potenzial in der Altmark für den Eishockeysport wahrscheinlich nicht so hoch ist wie in den deutschen Zentren der Jagd nach dem Puck – Chancen, noch ein paar mehr Fans zu fnden, rechnet sich List durchaus aus. " Es wäre schon klasse, wenn wir irgendwann mit einem richtigen Fanbus aus Stendal zu den Spielen fahren könnten. "

Nächster wichtiger Termin – zunächst noch in einer kleineren Runde – ist aber erst einmal der 22. August. Dann fahren die altmärkischen Eishockey-Fans nach Bern. Dort treten die Berliner Eisbären gegen den SC Bern an in einem Testspiel. Ronny List erzählt : " Zunächst waren wir zu sechst, jetzt sind es schon acht, die mitkommen wollen. " Gemeinschaftliche Fangesänge dürfte es da schon unterwegs geben : Die Männer vom " Ost-Block " haben schon einen Kleinbus organisiert.

" Wir wollen mithelfen, wenn der Weltrekord geknackt wird "

Eine Vorbereitung ist dieses Testspiel indes nicht allein für die Sportler auf der Eisf äche. Denn als Gruppe haben sie in der Zuschauerschaft im internationalen Spielbetrieb bislang noch nicht mitgemischt. Ronny List : " Wir wollen im Mai nach Gelsenkirchen fahren. " Gelsenkirchen ist einer der deutschen Austragungsorte für die Eishockey-Weltmeisterschaft. Off ziell wird dort die " 74. A-Eishockey-Weltmeister schaft der Herren " ausgetragen, weitere Spielorte sind Köln und Mannheim. In Gelsenkirchen jedenfalls wollen auch die Stendaler Eisbären-Fans dabeisein. Und sie wollen nicht allein die deutsche Nationalmannschaft beim Eröffnungsspiel am 7. Mai gegen die USA anfeuern. Ronny List : " Wir wollen mithelfen, den Weltrekord zu knacken. " Weltrekord – das bedeutet in diesem Fall der im Guiness-Buch der Rekorde notierte für das " Bestbesuchte Eishockeyspiel aller Zeiten ". Die Marke liegt bei 71 217 Zuschauern bei einem Spiel der nordamerikanischen Eishockey-Liga. Bei einem ausverkauften Spiel würden hingegen 75 976 Zuschauer den Spielern Auf Schalke zujubeln. Mit einem Sonderzug soll es an diesem Tag ab Berlin nach Nord rhein-Westfalen gehen. Ronny List : " In Stendal hält der Zug leider nicht. "

Doch wie wird man eigentlich hierzulande zum Anhänger des körperbetonten Sports auf Kufen ? Ronny List erinnert sich, wie er zum Eishockeyfan geworden ist : " Schon als Kind bin ich manchmal mit meinen Eltern zu Eishockey-Spielen nach Berlin gefahren. " Natürlich zu den heutigen Eisbären, die damals als Dynamo f rmierten. Und schon damals war er fasziniert von der Geschwindigkeit auf dem Eis und von der Stimmung auf der Tribüne. Tradition ist es für List, zum jährlichen Spiel der Eisbären um die Weihnachtszeit nach Hamburg zu fahren.

" Für eine

Vereinsgründung können wir keinen

Nutzen erkennen "

Dass das jetzt dazu geführt hat, einen off ziellen Fanklub mitzugründen, ist eher zufällig. Ronny List : " Schuld sind Manuel Lucke und Christian Schafe. Die beiden sind bei einem Spiel der Championsleague in Finnland gewesen und waren von dieser Reise begeistert. " Begeisterung, die auf List übergeschlagen ist. Spätestens, seitdem er die beiden, die er bislang nicht näher kannte, noch einmal getroffen hat. In einer Disco, nicht am Rand einer Eisfäche. Dass Eishockey dann doch Gesprächsthema war, mag den Funken übergesprungen sein.

Innerhalb weniger Wochen hatten sich die Stendaler Eishockeyfans gesammelt, hatten für das Logo des Fanclubs nach einer Idee von Andreas Hörnke gearbeitet : Bestandteil dieses Zeichens ist neben den Farben Blau-Weiß-Rot, dem Titel und den gekreuzten Eishockeyschlägern auch der Schriftzug " SDL " – bei dem selbstverständlich das " D " in der Mitte mit dem alten Dynamo-D der Berliner Eisbären übereinstimmt. In den kommenden Wochen soll in eine passende Fanausrüstung – zum Beispiel in die Pullover mit eben jenem Stendaler Fanzeichen – investiert werden.

Trotz all dieser aus der Zuschauerschaft verschiedenster Sportarten bekannten Bräuche erklärt Ronny List : " Unser Fanklub ist zwar in Berlin off - ziell registriert. Aber mehr nicht. Denn für eine Vereinsgründung können wir im Moment keinen Nutzen erkennen. " Wer weiß, wenn die Zahl der Eishockeyfans in der Altmark sprunghaft in die Höhe schnellen sollte, hält man sich im " Ost-Block " auf jeden Fall die Option offen, dann doch noch die Wege des deutschen Vereinswesens zu beschreiten.

Wer bei den Stendaler Eisbären-Fans mitmachen möchte, wendet sich am besten telefonisch an Ronny List unter der Rufnummer ( 01 74 ) 1 73 40 26.