Die Arbeitsmarktfakten für den Monat Juni, die Marina Kermer, Geschäftsführerin der Stendaler Arbeitsagentur, gestern präsentierte, sind auf den ersten Blick positiv. Die Arbeitslosenquote sank in allen sechs Geschäftsstellenbereichen der Agentur.

Stendal. Eine Entwicklung, die Marina Kermer nicht erwartet hatte : In der strukturschwachen Altmark sind die Arbeitslosenzahlen im Juni stärker gesunken, als im Durchschnitt aller Arbeitsagenturbezirke von Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wobei die Geschäftsführerin der Stendaler Arbeitsagentur die Realitäten nicht verkennt, die da sind : Mit einer Arbeitslosenquote von 14, 4 Prozent steht die Altmark immer noch weit schlechter da, als der Nachbarlandkreis Börde ( 9, 8 Prozent ) und das Jerichower Land ( 11, 7 Prozent ), das im Osten an die Altmark grenzt. Wie schlecht es um den altmärkischen Arbeitsmarkt steht, macht der Blick nach unten in der Landesstatistik deutlich, in der die Arbeitsagentur Stendal den vorletzten Rang vor dem Mansfelder Land belegt.

Auch das genaue Hinschauen innerhalb der Altmark lohnt ( siehe oben stehende Grafik ). Denn der Spitzenreiter in Sachen niedriger Arbeitslosenquote im Land ist der Agenturbereich Klötze ( 9, 6 Prozent ), während im Raum Osterburg 16, 1 Prozent der erwerbsfähigen Männer und Frauen ohne Job sind.

Positiv trotz alledem : Es fanden mehr Altmärker im Juni Arbeit, als Männer und Frauen ihren Job verloren. Auch hierfür die Zahlen : 1209 Entlassungen stehen 1827 Neueinstellungen gegenüber.

Gründe für dieses, nicht unbedingt die Wirtschaftskrise widerspiegelnde Bild, weiß Marina Kermer mehrere zu nennen : Zum einen sei es " die bunte Mischung " der Branchen in der Altmark. Der Dienstleistungssektor ist hier ebenso zu Hause wie Industriebetriebe, die Nahrungsgüterwirtschaft, das Hotel- und Gaststättengewerbe, soziale und medizinische Einrichtungen oder die Landwirtschaft.

Zweiter Punkt : Das Konjunkturpaket, aus dem im Vormonat Geld in den zweiten Arbeitsmarkt floss. Stichwort Arbeitsgelegenheiten : 2800 Altmärker fanden sie im Juni, 400 mehr als im Mai. Und ein drittes Mittel, das der Bund gegen den drohenden Anstieg der Arbeitslosenzahlen einsetzt : die Kurzarbeit. Von Oktober 2008 bis zum Mai dieses Jahres hatten 475 altmärkische Firmen Kurzarbeit für rund 7700 Mitarbeiter angemeldet. Die Arbeitsagentur orientiert die Unternehmen darauf, diese Zeit für die Mitarbeiterqualifizierung zu nutzen. Gut für die Firmen, die Fachkräftepotenzial stärken, und gut für jeden Einzelnen, falls er sich später neu auf dem Arbeitsmarkt orientieren muss.

Auch vor so einem möglichen Szenario verschließe die Stendaler Arbeitsagentur nicht die Augen. " Wir wären darauf vorbereitet ", sagt Marina Kermer und verweist auf ein " hohe Kontaktdichte " zu Arbeitskräfte suchenden Firmen, auf möglichst schnelle, dem Bedarf entsprechende Vermittlung und auch darauf, dass die Agentur selbst ihre Mitarbeiterzahl aufstocke, um noch gezielter mit den und für die Arbeitslosen wirken zu können. Prognosen zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wagt Kermer zwar nicht, verweist aber auf eine ebenfalls aus der Statistik zu entnehmende Tendenz : Es wurden im Juni weniger offene Stellen gemeldet als im Mai. Folgerichtig fanden auch weniger Menschen Arbeit als im Vormonat.