Die Gemeinschaftsaktion des Kreisverbands der Gartenfreunde und der Volksstimme " Dem schönsten Kleingartenverein blüht ein Fest " geht auf die Zielgerade. Am kommenden Sonnabend werden die Sieger des Wettbewerbs um die schönsten Kleingartenanlagen gekürt. Welche das sein werden, wird noch nicht verraten. Nur soviel : Das heutige Kleingärtner-Porträt unserer Serie, mit der wir den Wettbewerb begleiten, führt in eine Vereinsanlage, die sich Hoffnungen auf einen Platz im Vorderfeld machen darf.

Stendal. Wir sind im " Hohen Kranz ", Blaukissenweg 52. Seit knapp vier Wochen ist das sozusagen die Zweitanschrift von Ralf-Michael und Sylvia Mende. 300 Quadratmeter groß ist die Parzelle in der Vereinsanlage, ie den Mendes unter den dreien, die ihnen Vereinsvorsitzender Bernd Zimmermann zur Auswahl stellte, am sympathischsten war. " Die Größe hat gestimmt, die Lage und der Zustand ", zählt Ralf Mende auf, was ihn und seine Frau überzeugte. Also unterschrieben sie den Pachtvertrag. Bernd Zimmermann lächelt, als er sich an diesen Moment erinnert.

" Das ist schon ein bisschen urios. Als ich 1991 Mitglied der Gartensparte wurde, da hat Ralf mit mir den Pachtvertrag gemacht. Damals war er der Vorsitzende. Dieses Mal war es nun umgekehrt. " Warum der ehemalige Spartenvorsitzende des " Hohen Kranzes ", Ralf Mende, 18 Jahre später die jüngste Neuaufnahme im Verein wird, ist weniger verwirrend, als es den Anschein hat.

Mende war 1978 Gründungsmitglied der Kleingartensparte, machte mit seiner Frau aus 500 mit Goldkraut überwucherten Quadratmetern brachliegendem ehemaligen Gartenland ein kleines Idyll mit Blumen- und Gemüsebeeten, einer Laube, Obstbäumen – mit allem eben, was zum Kleingärtnerglück gehört. Schnell ließ er sich auch in die Arbeit des Vorstands einbinden, wurde schließlich Vorsitzender des Kleingärtnervereins. 1999 gaben die Mendes ihren Kleingarten auf. Die Arbeit, das mittlerweile eigene Wohngrundstück, das Haus, das in Eigenleistung umgebaut werden wollte. Mehr ging eben nicht. Und heute ? Ralf Mende ist Rentner. Der Hausgarten gut bestellt, aber doch mehr so in Richtung Erholung, mit Rasen und Teich. An Gemüse- oder Erdbeerbeeten fehlt es im häuslichen Revier, was vor allem Sylvia Mende ändern wollte. Da die Verbindung zum " Hohen Kranz " nie ganz abgerissen war, freute sich Ralf Mende besonders, als dessen stellvertretender Vorsitzender Herbert Lingnau ihm vorschlug : " Komm doch wieder zu uns. "

" Ich bin Vorsitzender des Stendaler Anglerverbands, Herbert Lingnau ist dort mein Stellvertreter ", erzählt Mende diesen Strang der Geschichte.

" Ich dachte erst, Herbert will mich verklapsen, als er mir im Garten sagte :, Du, der Ralf kommt zurück. ‘ Ein paar Minuten später standen die Mendes hinter mir ", nimmt Bernd Zimmermann den Faden auf. Natürlich habe er sich über diese " Neuaufnahme " besonders gefreut, aber : " Ich bin generell für jeden offen, der einen Garten sucht. Darum sind von unseren 108 Kleingärten auch 106 vergeben. " Was ihn ebenso freut, ist die Tatsache, dass die Zahl der Familien, die im " Hohen Kranz " kleingärtnern, wieder steigt. " Wir haben zur Zeit 18 Familien mit kleineren Kindern, deren Eltern zwischen 24 und 40 Jahre alt sind. Das ist gut. Es wäre doch schade, wenn so eine schöne Anlage irgendwann aufgegeben werden müsste, weil die Alten rausgehen und niemand nachkommt. "

Apropos Nachkommen : " 2006, als ich Vorsitzender des Vereins wurde, hatten unsere Mitglieder 14 Kinder unter 14 Jahren. Heute sind es 35 ", sagt Zimmermann. Warum er das so genau weiß ? Im August wird der " Hohe Kranz " sein jährliches Vereinsfest feiern – zum ersten Mal mit einem Kinderfest. Da müsse man als Chef schon wissen, mit wie vielen jungen Gästen zu rechnen ist.

Die Mischung im Verein stimmt ebenso wie die Chemie zwischen Jung und Alt. Man nimmt aufeinander Rücksicht.

Und man freut sich, wenn ehemalige Vereinsmitglieder mit : " Schön, dass du wieder da bist !" begrüßt werden. So wie es Ralf-Michael Mende in den vergangenen Tagen und Wochen oft erleben durfte. Da fühle man sich doch gleich wieder zu Hause, sagt er.

Auch wenn der Garten nun ein anderer und in ihm doch noch etwas mehr zu tun ist, um ihn nach eigenem Geschmack umzugestalten. Die großen Koniferen nimmt Ralf Mende heraus. Die würden einfach nicht ins Bild passen, sagt er. Die Laube unterzieht der handwerklich nicht unbegabte, ehemalige Büroarbeiter derzeit einer Innensanierung. Und dann kommen die Beete dran. " Alles Stück für Stück ", sagt der in den " Hohen Kranz " zurückgekehrte Kleingärtner Mende. Das will er übrigens nun endgültig bleiben. " Ich hoffe, dass wir den Garten noch 20 Jahre machen können ", sagt er. Gegönnt sei es Ralf-Michael Mende und seiner Frau Sylvia.