Noch ist die Krise nicht auf dem Arbeitsmarkt der Altmark angekommen. Entgegen dem bundesweiten Trend sind im Juli die Arbeitslosenzahlen in Klötze und Salzwedel sogar gesunken. Dass die Erwerbslosenzahlen angestiegen sind, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass das Schuljahr zu Ende gegangen ist, das Ausbildungs- und Studienjahr jedoch noch nicht begonnen hat.

Stendal. Im September ist Silvester. Zumindest was die Vermittler von Ausbildungsplätzen angeht. Dann nämlich beginnt das neue Ausbildungsjahr. Und mit Beginn des Ausbildungsjahres lässt sich resümieren, wie erfolgreich diesmal die Vermittlung von Ausbildungsplätzen ist. Katrin Schmalenberger-Laukert, Sprecherin der Agentur für Arbeit in Stendal, hat gestern die neuesten Zahlen zum Arbeitsmarkt im Landkreis Stendal und im Altmarkkreis Salzwedel vorgestellt.

Dabei machte sie auf eine im Vergleich zur Vergangenheit hohe Vermittlungsquote von Jugendlichen aufmerksam : Im Juli waren bereits 62 Prozent der Schulabgänger versorgt. Versorgt sind die jungen Leute im Arbeitsagentur-Deutsch, wenn sie entweder einen betrieblichen Ausbildungsplatz, eine Stelle in der außerbetrieblichen Berufsausbildung oder aber auch den Wehr- oder Ersatzdienst, ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr oder ein Studium antreten. Zum Vergleich : Im Schulabgangsjahr 2006 / 07 lag die Vermittlungsquote im Juli bei 53 Prozent. Allerdings wird bei den Ausbildungszahlen der demographische Wandel deutlich : Waren 2006 / 07 noch 2252 junge Leute auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle, waren es in diesem Jahr nur noch 1330. Besonders gute Chancen haben derzeit Schulabgänger, die sich für eine Ausbildung zum Koch oder im Friseurhandwerk erwärmen können. Besonders wenig freie Ausbildungsplätze im Verhältnis zur Zahl der Bewerber gibt es beispielsweise bei den Lehrstellen für künftige Kfz-Mechatroniker und in einigen Zweigen des Handels.

Bedeutsam sind diese Zahlen für die allgemeine Arbeitslosenstatistik nicht zuletzt deshalb, weil sie vor dem Beginn des Ausbildungsjahres die Werte in die Höhe treiben. Ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit – entgegen dem Trend ist die Zahl der Arbeitslosen in den Altkreisen Klötze und Salzwedel sogar gesunken – ist damit noch nicht per se ein Zeichen für wirtschaftlichen Niedergang.

Mit Blick auf die deutschlandweit steigenden Zahlen Erwerbsloser im Zeichen der Wirtschaftskrise scheint die Region mit einem blauen Auge davonzukommen. Zwar sind die Unternehmen noch längst nicht über den Berg. Doch ein Indiz für die Blaue-Augen-These sind die Kurzarbeiterzahlen : Bei Weitem nicht so viele Menschen wie noch vor Monaten dafür angemeldet sind tatsächlich von der konjunkturellen Kurzarbeit betroffen.

Die Arbeitsmarkt-Experten von der Agentur hatten bereits in den vergangenen Monaten diesen Trend darauf zurückgeführt, dass in der gesamten Altmark die Wirtschaft sehr vielfältig ausgerichtet und nicht von einzelnen Branchen abhängig ist. Indiz dafür ist nicht zuletzt, dass es inzwischen mehr Stellenangebote als 2008 gibt : Private und öffentliche Arbeitgeber haben im Juli 1039 freie Stellen gemeldet. Das sind 174 mehr ( 20, 1 Prozent ) als im Vorjahr. Unter diesen Stellen sind übrigens 430 Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das entspricht im Vorjahresvergleich einem Anstieg um 4, 4 Prozent. Gefragt sind im Moment übrigens insbesondere Arbeitskräfte für den Dienstleistungssektor, für den medizinischen und pf egerischen Bereich, im Sozialwesen, im Bauhaupt- und Baunebengewerbe sowie im Kraftverkehr. Besonders gute Chancen auf einen Arbeitsplatz hatten übrigens im Juli jene Menschen, die eine Stelle in einem Fertigungsberuf abseits der Bauwirtschaft, in einem sogenannten grünen Beruf oder in einem technischen Beruf gesucht haben : In diesen Bereichen lag die Zahl der Arbeitslosen pro gemeldeter freier Stelle besonders niedrig.