Stendal. Der schönsten Kleingartenanlage im Landkreis blüht auch in diesem Jahr wieder ein Fest. Dafür sorgen die Volksstimme und der Kreisverband der Gartenfreunde mit ihrer Gemeinschaftsaktion. Dass die Anlagen zu preisverdächtigen Schmuckstücken werden, dafür sorgen mehr als 3400 Kleingärtner im Gartenfreunde-Kreisverband. Johannes und Sigrid Braun sind zwei von ihnen.

" Tiefe Wiese ", das klingt nach einem Stück Land, das zum Anbau von Obst oder zum Anlegen von Blumenrabatten nicht taugt. Tief gelegen, feucht – also wächst dort nichts anderes als Gras, könnte man meinen. Früher, ganz früher, mag das für den gleichnamigen Flecken grüner Lunge im Südosten von Stendal gegolten haben. Spätestens aber seit Johannes und Sigrid Braun in der " tiefen Wiese " begannen, ihren Kleingartentraum zu verwirklichen, ist das anders, ganz anders. " Als wir hier angefangen haben, stand auf der einen Seite Porree, auf der anderen Rotkohl ", erinnert sich Johannes Braun an die von der damaligen Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft bewirtschaftete Fläche. Die wurde aufgegeben und den Kleingärtnern angeboten, die ihre Parzellen in Stadtsee wegen des bevorstehenden Wohnungsbaus in diesem Stendaler Stadtteil aufgeben mussten. 40 Jahre sei das her, sagt Braun, der mit seiner Frau zum ersten Dutzend " Laubenpieper " gehörte, das sich hier ansiedelte. Das heißt, die Sache mit den Lauben ließ noch ein Weilchen auf sich warten. Zuerst einmal mussten aus dem aufgegebenen Gemüseacker Kleingärten werden. Die Episoden aus dieser Zeit könnten ganze Bände füllen. Die Brauns belassen es bei einer : Der mächtige Apfelbaum, in dessen Schatten sie über 40 Kleingärtnerjahre plaudern, zog mit den beiden von Stadtsee um. " Den hierher zu kriegen, war eine ganz schöne Quälerei. Aber das hat sich gelohnt ", sagt er. Auch in diesem Jahr verspricht der Braunsche Boskoop reiche Ernte. Und das soll noch einige Jahre so bleiben, hoffen die beiden. " So lange es uns hier noch gibt, muss er durchhalten ", sagt die 75-jährige Kleingärtnerin. " Also zehn Jahre mindestens noch " macht ihr drei Jahre älterer Mann in einem Satz klar, dass die Brauns noch lange nicht daran denken, ihrem Hobby zu entsagen. Warum auch ? Es ist ein kleines Paradies, das sie sich hier schufen. Eines von mittlerweile 42 in der Vereinsanlage " Tiefe Wiese ", jedes 500 Quadratmeter groß.

Zäune sucht man hier übrigens vergebens. " Das haben wir von Anfang an nicht gewollt ", sagt Johannes Braun. Gut, dass es bei dieser Einstellung aus den Gründertagen des Vereins geblieben ist. Gute Kleingärtnernachbarschaft

funktioniert auch ohne Maschendraht. Das bestätigen Dieter Hirrich und Eckard Dreger gern, der Vorsitzende des Vereins und dessen Stellvertreter, die sich zu der Plauderei unterm Apfelbaum gesellen. Doch, es sei schon schön hier, so das Resümee der Runde. Der Zusammenhalt, die gepflegten Parzellen, die sich zum Hauptweg hin fast ausnahmslos mit Blumenrabatten präsentieren, der Vereinsplatz – alles eben, was in 40 Jahren im und mit dem Kleingartenverein " Tiefe Wiese " im Südosten von Stendal gewachsen ist. Das wurde unlängst gebührend gefeiert. Die " 40 " am Eingangstor der Gartenanlage kündet noch immer vom Vereinsfest im Juni. " War richtig schön ", sagt Sigrid Braun, und die Männer unterm Apfelbaum nicken.