Cheine / Wustrow. " In den nächsten 24 Stunden entscheidet sich, ob er durchkommt oder nicht. " Die Stimme von Edita Meyer ( 42 ) aus Klein Wieblitz bebt, als sie diese Worte spricht. Gemeinsam mit Ehemann Lutz steht sie am gestrigen Freitag auf der Weide nahe Cheine, auf der sich am Dienstag oder Mittwoch Furchtbares zugetragen haben muss.

So alt, vermutet Tierarzt Dr. Marko Bogataj aus Wustrow ( Landkreis Lüchow-Dannenberg ), muss die lebensgefährliche Stichverletzung am Bauch von Hengst Lascar sein. " Der ideelle Wert ist nicht ersetzbar. Er ist ein ganz braver. Und wir sind bei allen Pferden von der Geburt an dabei ", erklärt Lutz Meyer. Vom materiellen Schaden wolle er gar nicht erst reden.

Spurensuche. Tief eingedrückte Hufspuren sowie mittlerweile angetrocknete und fast Frühstücksteller große Blutf ecken künden auch nach den großen Regenfällen davon, wie sehr sich der Hoffnungsträger aus der Hobbyzucht des Ehepaars gequält haben muss. " Am Donnerstag wollten wir den Pferden Wasser geben ", erinnert sich Edita Meyer. So wie alle zwei bis drei Tage. Gemeinsam mit ihrem Partner Lutz ( 46 ) legt sie abends den mehrere hundert Meter langen und unbefestigten Weg von der B 71 zur gepachteten Koppel mit dem Auto zurück. Am Hauptweg liegen die beiden als zusätzliche Sicherung angebrachten Binder des Elektrozauns am Boden. " Das kam uns komisch vor. Dann sind wir gleich zur Koppel gefahren ", berichtet die Pferdezüchterin.

Der Junghengst, ein Fuchs der Rasse Deutsches Sportpferd, und der mit eingestellte Wallach galoppieren nicht wie gewohnt an den Zaun. " Sonst kommen sie immer gleich angelaufen, weil sie wissen, dass es Leckerlis gibt ", erklärt Edita Meyer. Beim Abschreiten der Wiese machen die Pferdezüchter eine schreckliche Entdeckung. Lascar, der sich bereits bei Fohlenschauen bewiesen hat und zur Körung vorgesehen ist, hat kurz vor der Hinterfanke ein fast faustgroßes Loch im Bauch. " Ein angetrockneter Hautfetzen stand ab. Da haben mein Mann und ich sofort die Polizei und unseren Tierarzt gerufen ", erinnert sich Edita Meyer.

Eine gute Entscheidung : Erst vor einigen Tagen ist rund 60 Kilometer östlich, in Havelberg, ein Pferd an Brust und Vorderfuß verletzt worden. Die Klein Wieblitzerin weiß von dem Vorfall. Genauso kann sie sich noch gut an die unheimlichen Verbrechen des Pferderippers vor zehn Jahren in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen erinnern.

" Wenn man aus dem Radio oder Fernsehen von so einer Sache erfährt, ist das alles weit weg. Und dann ist man plötzlich selber betroffen. Unfassbar ", ist Edita Meyer außer sich. Sie wünscht sich, dass andere Züchter und die Bevölkerung aufmerksam sind und eventuelle Beobachtungen melden. Gleichzeitig wünscht sie sich, dass der mutmaßliche Täter gefasst wird.

Während Polizeibeamte untersuchen, ob zwischen den jüngsten Vorfällen in Cheine und Havelberg ein Zusammenhang besteht, kämpft Dr. Bogataj um das Leben des jungen Hengstes. Er schätzt die Verletzung als lebensbedrohlich ein. " Ein 20 Zentimeter tiefer Schnitt, offensichtlich mit einem Messer oder einer Lanze zugefügt ", sagt der Haustierarzt der Pferdezüchterfamilie. " Mittlerweile sieht es aus, als ob Lascar überleben wird " betont Dr. Bogataj gestern Nachmittag. " Es muss jemand sein, der mit Pferden umgehen kann ", vermutet der Veterinär, da Pferde als Fluchttiere eigentlich vor Fremden, die die Weide betreten, weglaufen.

Lutz Meyer will nun persönlich nach dem möglichen Tatwerkzeug suchen. " Ich werde die Wiese abmähen und dann nachsehen ", erzählt der Pferdezüchter.

Aufatmen gestern Abend : " Lascar ist über den Berg ", weiß Edita Meyer inzwischen.