Von Schmuddelladen keine Spur. Das am 1. Dezember vergangenen Jahres eröffnete Sozialkaufhaus " Brauchbar " in Stendal-Süd hat sich zu einem freundlichen kleinen Einkaufszentrum mit vielfältigem Angebot entwickelt. Am 31. Juli lädt das Kaufhaus mit seiner strikt sozialen Aufgabenstellung zum Sommerfest für die ganze Familie ein.

Stendal. In der Möbelhalle fragt ein Kunde nach einer kleinen Küchenzeile. Im Textilladen durchsucht eine ältere Dame die Kleiderständer nach einer Sommerjacke, während nebenan im Antiquariat eine junge Frau bei den überaus preiswerten Schulbüchern für ihren Nachwuchs fündig wird.

Das Sozialkaufhaus " Brauchbar " an der Ecke Rostocker / Lemgoer Straße in Stendal-Süd hat sich seit seiner Eröffnung vor knapp acht Monaten sichtlich gemausert. In der Möbelhalle mit ihren rund 1000 Quadratmetern, einem ehemaligen Lebensmittelmarkt, hatte alles begonnen. Damals waren auch Textilien, Geschirr und Hausrat in der großen Halle zu finden. Eine Ecke wurde zu einem kleinen Café gestaltet.

Inzwischen haben die Betreiber des vom Genthiner Verein Aufbruch getragenen Kaufhauses alle übrigen Läden des lange von Leerstand geplagten kleinen Einkaufszentrums angemietet und mit Leben erfüllt : Aus Postfiliale, Fleischer, Bäcker und Drogerie wurden Extra-Kaufhausabteilungen für Kleidung, Geschirr und Gläser, ein gut sortiertes Antiquariat, ein mit zahllosen Plüschtieren " gepolstertes " Spielzimmer, in dem man seine Kinder während des Einkaufsbummels abliefern kann. Und eine hübsche Cafeteria, in der Kunden und Mitarbeiter eine kleine Pause einlegen können.

" Unser Kaufhaus hat sich sehr positiv entwickelt ", sagt Sozialbetreuer John Völtzke. " Die Spendenbereitschaft im ganzen Landkreis und darüber hinaus ist groß, der Umsatz steigt. " Aus der ersten von der Arge geförderten Maßnahme mit 20 Mitarbeitern, die am 31. Mai endete, wurden sechs Leute als Festangestellte übernommen. Weitere 20 Männer und Frauen einer zweiten Maßnahme, dieses Mal ohne Suchthintergrund, kamen hinzu. Darunter Fachkräfte wie Tischler, Fliesenleger oder Verkäuferinnen, die im Sozialkaufhaus mit seiner Möbelwerkstatt gut gebraucht werden.

Neuestes Projekt ist eine Fahrradwerkstatt, in der fünf schwer vermittelbare Jugendliche eine Beschäftigung finden. Der Stendaler Herbert Fehrmann, von Beruf Kfz-Schlosser und zurzeit arbeitslos, erfuhr bei einem Kaufhausbesuch als Kunde von dem Vorhaben und schraubt nun ehrenamtlich in der Werkstatt mit.

Die kleine Werkstatt muss keine Konkurrenz zum ansässigen Gewerbe sein. So sieht das jedenfalls der Stendaler Fahrradhändler Ronald Neumann, der mit dem Sozialkaufhaus kooperiert und nicht mehr benötigte Ersatzteile zur Verfügung stellt. " Die Kunden dort haben nicht das Geld, ihr Rad bei mir machen zu lassen ", sagt er.

Am 31. Juli von 10 bis 15 Uhr lädt das Sozialkaufhaus zu einem Sommerfest für die ganze Familie ein.