Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – fast schon ein gef ügeltes Wort. Nach der Wahl ist vor der Wahl, könnte man es für einen Mann aus Tangermünde umschreiben. Andreas Siegmund trat am vergangenen Wochenende zur den Europawahlen an und er tut es auch zur Bundestagswahl im September. Was seine Bewerbung zu einer außergewöhnlichen macht : Der 49-J ährige geht nicht für eine Partei, sondern als Einzelkandidat ins Rennen.

Tangermünde. Die tief stehende Sonne taucht die Terrasse des Siegmundschen Eigenheims am Tangermünder Stadtrand in ein warmes Licht. Ein Ort, wie zum Genießen gemacht – ideal, um sich auch einmal auf eine Plauderei über das Leben im Allgemeinen und das eigene im Speziellen einzulassen. Andreas Siegmund tut es gern, weicht keiner Frage aus, ist um Antwort nie verlegen. Angenehm die Art, wie er zu Argumentieren versteht. Dass er in seinem Beruf nicht der Schlechteste war, glaubt man dem 49-Jährigen gern. Der Elektroingenieur arbeitete als Bezirksvertriebsleiter eines Herstellers von Installationsmaterial – bis vor einem Jahr. Aus gesundheitlichen Gründen musste er diesen Job an den Nagel hängen. " Dann kam die Zeit, wo ich nachzudenken begann. Was willst Du aus deinem Leben noch machen ?", erinnert sich Andreas Siegmund an Momente, die nicht immer die angenehmsten waren. Die Familie, zu der neben der Ehefrau zwei erwachsene Söhne gehören, und seine Einstellung zum Leben, halfen ihm, die für ihn richtigen Antworten zu fnden. Die beruf iche Neuorientierung war das eine. Aber das neue Leben des Andreas Siegmund sollte mehr sein, als " nur " Beruf. " Ich habe mich schon immer für Politik interessiert. Mehr als 900 Kunden habe ich betreut. Da gingen die Gespräche oft auch über das Geschäftliche hinaus ", sagt Siegmund. Er erzählt von der Unzufriedenheit vieler seiner Gesprächspartner mit der Politik und denen, die sie machen. " Ich wollte aber nicht mehr nur meckern, ich wollte was tun. Und mir war klar : Wenn du was ändern willst, dann musst du ganz oben angreifen. "

Ganz oben, das ist für den engagierten Elbestädter der Bundestag. So wurde aus dem Tangermünder ein Kandidat zur Bundestagswahl 2009. Einer, der sich für mehr Demokratie stark machen will – als Einzelkandidat.

Blauäugig geht er dieses Vorhaben jedoch nicht an. Andreas Siegmund weiß : " Seit 1953 hat es kein Kandidat mehr geschafft, ohne Partei in den Bundestag einzuziehen. " Dennoch will er kein kandidierender Partei-Wahlkämpfer sein : " Ich möchte mich nicht irgendeinem Fraktionszwang unterordnen müssen. Mein Leben hat mich geformt. Ich habe nur mein Gewissen als Chef. " Seine Chance, die " kleine Sensation " zu schaffen und zumindest einen Achtungserfolg bei der Bundestagswahl im September zu erlangen, sieht Siegmund in seinem persönlichen Wahlprogramm. Er möchte, dass die Bürger mehr mitentscheiden können, wie die Bundespolitik aussieht. " Es muss auf Bundesebene endlich möglich sein, per Volksentscheid mitzubestimmen ", sagt er. Dass er mit dieser Überzeugung nicht allein steht, merkte der Tangermünder, als er im November vergangenen Jahres begann, von Haus zu Haus zu ziehen, um die nötigen 200 Unterstützerunterschriften für seine Bewerbung als Einzelkandidat zur Bundestagswahl zu sammeln, und bei den Recherchen im Internet : " Laut verschiedener Umfragen sind 80 Prozent der Leute für Volksentscheide. " Einige von ihnen haben sich bundesweit zu einer Wählergemeinschaft zusammengeschlossen. " Für Volksentscheide " machte diese ihr Programm zum Namen. In Andreas Siegmund fand die Wählergemeinschaft einen Mitstreiter. Einen, der seinen Wahlkampf selbst organisiert, Sponsoren suchte, Fotos machen ließ, sein Wahlplakat selbst entwarf und gestaltete. Das zierte übrigens bereits in den vergangenen Wochen die Straßenränder. Andreas Siegmund trat mit seiner Wählergemeinschaft zur Europawahl an. Ein " Testlauf ", wie er es nennt. " In Tangermünde habe ich 3, 7 Prozent der Stimmen bekommen und im Landkreis immerhin ein Prozent. "

Ein Ergebnis, das den Bundestags-Einzelkandidaten Siegmund bestärkt, jetzt noch einen Zahn zuzulegen. " Meine einzige Chance ist ein engagierter Straßenwahlkampf. Und den will ich machen. In Fußgängerzonen, in Einkaufsmärkten, in den Dörfern, in Gesprächsrunden, zu denen man mich gern einladen kann. Ich will mich zeigen, will Flagge zeigen für meine Ideen und zur Bundestagswahl mit den Altmärkern ein Stück Geschichte schreiben. Vielleicht klappt ‘ s ja. "