In dem gewohnt feierlichen Rahmen, den die Stendaler Katharinenkirche vielen Höhepunkten im Jahr bietet, fand gestern das Projekt Vodafone Bucerius Lern-Werk Altmark seinen Abschluss. Zwei Jahre, in denen acht an diesem Projekt beteiligte altmärkische Schulen die Schullandschaft um den Praxislerntag für Hauptschulklassen bereicherten, gingen zu Ende. Das Ende dieser neuen Art der Begleitung von Hauptschülern auf dem Weg in die Berufsausbildung bedeutet das jedoch nicht. Den Praxislerntag wird es auch im kommenden Schuljahr geben.

Stendal. Dennis Hahne geht in die 9. Klasse der Osterburger Sekundarschule und will Mechatroniker werden, Kfz-Mechatroniker, um genau zu sein. Ein Berufswunsch, den der junge Mann mit vielen Jugendlichen seines Alters teilt. Dennis allerdings hat denen einiges voraus. Er weiß genau, was ihn in der Berufsausbildung erwartet. Einen Rad- oder Ölwechsel bei Pkw verschiedener Typen beherrscht Dennis fast schon wie die Profs. Und den " Rest " möchte er in dem Betrieb erlernen, in dem er seit Februar 2008 einmal in der Woche zum Praxislerntag antrat. " Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich hab’ Lust auf mehr. Ich werde mich mit dem Zeugnis der 9. Klasse in diesem Autohaus bewerben ", verriet Dennis gestern in der Stendaler Katharinenkirche.

Worte, die Dr. Markus Baumanns, Geschäftsführer der Zeit-Stiftung Bucerius, ebenso wohl in den Ohren klangen wie Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung. Beide hatten vor zwei Jahren an gleicher Stelle gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz das " Lern-Werk Altmark " aus der Taufe gehoben. Gestern nun feierten sie mit den daran beteiligten Partnern aus beiden altmärkischen Landkreisen, aus dem Kultusministerium und den acht beteiligten altmärkischen Sekundarschulen den Abschluss des auf zwei Jahre angelegten Praxislerntag-Projekts.

500 Schüler erfüllen " Lern-Werk " mit Leben

Jungen Leuten wie Dennis den Weg von der Schule in die Berufsausbildung zu erleichtern, indem die beteiligten Schulen und Firmen aus der Region für die Schüler wöchentlich einen Praxislerntag im Lehrplan etablieren, ist das Ziel des Projekts " Lern-Werk Altmark ". Es wurde zu hundert Prozent erreicht, resümierten gestern sowohl Baumanns und Speich als auch Wilfried Willems, Staatssekretär im Kultusministerium, Silvia Mattner, Schulleiterin der Stendaler Diesterwegschule, und Birgit Smirnow von der Bismarker Sekundarschule, die Projektleiterin des " Lern-Werks Altmark " war.

500 Schüler aus den 8. und 9. Hauptschulklassen der Sekundarschulen Bismark, Gardelegen, Goldbeck, Osterburg, Tangerhütte und Tangermünde sowie aus den Stendaler Sekundarschulen " Diesterweg " und " Komarow ", erfüllten das " Lern-Werk Altmark " mit Leben. Sie alle hatten die Gelegenheit, an einem Unterrichtstag in jeder Woche in verschiedenen Firmen, Praxisluft zu schnuppern. Ob beim Friseur, im Landwirtschaftsbetrieb, beim Bäcker, in der Fahrradwerkstatt, im Labor oder bei der Floristin – in all diesen altmärkischen Unternehmen schnupperten die jungen Leute Praxisluft in Ausbildungsberufen.

" Da merkte so mancher dann doch, dass Mathe an der Werkbank ganz hilfreich sein kann ", nannte Dr. Baumanns eines der vielen Beispiele dafür, wie aus diesen Begegnungen mit der Praxis Lernmotivation erwuchs. Auch das ist eines der Ziele des Projekts. Dieser Aha-Effekt, der sich bei den Jugendlichen sehr schnell einstellte, half auch, die Fehlstunden in den beteiligten Schulen zu verringern und die Quote der Vermittlung in Ausbildungsberufe zu erhöhen. Letzteres ließe sich zwar noch nicht an konkreten Zahlen festmachen, sagte der Projektleiter der Zeit-Stiftung, Dr. Elmar Lüth, aber : " Mit diesem Projekt wurde an den Schulen Aufbauarbeit geleistet. Das Fundament ist gelegt. Darauf können die Schulen aufbauen. "

Praxislerntag wird fortgesetzt

Sieben von ihnen werden das tun. Der wöchentliche Praxislerntag wird in den " Lern-Werk Altmark " -Schulen in Bismark, Gardelegen, Osterburg, Tangerhütte, Tangermünde und Stendal auch im kommenden Schuljahr auf dem Lehrplan stehen. Mehr noch : Der Wunsch der altmärkischen Projektleiterin Birgit Smirnow, es mögen noch mehr Schulen diesen neunen, lohnenswerten Weg mitgehen, wird sich über die Altmarkgrenzen hinaus erfüllen.

Unter den Gästen des gestrigen Projektabschlusses waren auch Katrin Siebert und Christine Weißbrot aus dem Salzlandkreis. Die beiden Pädagoginnen unterrichten an der Seelandschule in Nachterstedt und werden den Praxislerntag aus der Altmark dorthin mitnehmen. Den Schülern der 8. Hauptschulklasse ihrer Schule soll dieses Angebot erstmals im kommenden Schuljahr unterbreitet werden.