Der Landkreis Stendal hat gestern gewählt : Wie, stand bei Redaktionsschluss zwar noch nicht fest. Dass der neue Kreistag völlig anders aussehen wird als der bisherige, war jedoch schon an den ersten Hochrechnungen ablesbar. Das Bündnis Landwirte für die Region – zum ersten Mal angetreten – trumpfte mit mehr als 10 Prozent mächtig auf.

Stendal. Mit Glockenschlag 12 der Demkeraner Kirchturmuhr hatte Luise Wagner ( 77 Jahre ) ihre Stimme den Kandidaten und Parteien gegeben, die sie gern im Demkeraner Gemeinderat, im Stendaler Kreistag und im Europaparlament sehen möchte. Zehn Minuten war sie damit beschäftigt und bereits der 70. Wähler ihrer Gemeinde – bei 312 Wahlberechtigten. Ganz so " forsch " gingen die Ostaltmärker den gestrigen Wahlsonntag nicht überall an : In Lüderitz hatten zur selben Zeit erst 143 Männer und Frauen den Urnengang hinter sich gebracht – rund 15 Prozent der 944 Wahlberechtigten in einer der größten Gemeinden des Landkreises, in der die Wahlbeteiligung schlussendlich 42 Prozent betrug.

Damit lagen die Lüderitzer im Trend, denn landkreisweit nahmen nach den ersten Hochrechnungen ( Stand 20. 30 Uhr ) 43, 6 Prozent der zur Wahl Aufgerufenen, dieses Recht wahr. Bei den Kommunalwahlen 1999 gingen 45 Prozent der Ostaltmärker zur Wahl. Sie machten die CDU zur stärksten Kraft im Kreistag.

Dass die Christdemokraten auch im nächsten Kreistag die Sitzmehrheit behaupten werden, davon ist auszugehen. In der Hochrechnung von 20. 30 Uhr – die letzte, die vor Redaktionsschluss erhoben wurde – hatten sie 42, 5 Prozent der Stimmen, was zu diesem Zeitpunkt bedeutet hätte, dass sie wie gehabt 20 Sitze im Kreistag beanspruchen könnte. Die " Landwirte für die Region " hingegen sorgten für die Überraschung des Abends. Schon bei der ersten Hochrechnung ordneten sie sich mit 7, 5 Prozent in den Reigen der künftig im Kreistag vertretenen Parteien ein. Carola Stallbaum, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, kommentierte das mit dem Satz : " Auf Anhieb 7, 5 Prozent, das ist doch schon was. "

Erstes Grübeln bei den anderen Parteien : Marcus Graubner, bislang Kreistagsmitglied für dei CDU : " Ich könnte mir schon vorstellen, dass die Landwirte uns Stimmen im ländlichen Raum kosten. "

Ganz ähnliche Befürchtungen seitens der Sozialdemokratie. Reinhard Weis, Ortsvereinsvorsitzender der Stendaler SPD : " Wir waren im ländlichen Raum immer sehr stark. Wenn da jetzt die Landwirte die Stimmen holen, müssen wir wohl damit leben. " Befürchtungen, die sich zumindest was die SPD betrifft, zu bewahrheiten scheinen, denn die Landwirte legten im Laufe des Abends noch weiter zu, lagen im Wahlbereich III ( Osterburg-Havelberg ) zwischenzeitlich sogar schon bei mehr als 23 Prozent. Doch Frank Wiese, der in diesem Wahlbereich als Spitzenkandidat des Bündnisses " Landwirte für die Region " ins Rennen ging, blieb trotz ersten Jubels in seinen Reihen realistisch : " Wenn wir über zehn Prozent kämen, das wäre ja traumhaft. "

Der Traum scheint in Erfüllung zu gehen : 20.45 Uhr nach Auszählung von 102 der 186 Wahlbezirke lagen die Landwirte bei 12, 5 Prozent.