Die bundesweite " Agrarsoziale Gesellschaft " hält noch bis heute ihre Frühjahrstagung in Stendal ab. Die Gesellschaft versteht sich als Lobbyist für den ländlichen Raum, sucht nach Strategien, um die Strukturen abseits großer Städte und Ballungsräume zu sichern. Dass solche Fragen auch für Städter und Ministerpräsidenten bedeutsam sind, bewiesen Sachsen-Anhalts Landesvater Wolfgang Böhmer und Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz.

Stendal. Zweimal im Jahr trifft sich die Agrarsoziale Gesellschaft ( ASG ), ein bundesweit tätiger Verein, der sich als Lobby der Menschen in den Regionen abseits der großen Städte versteht. Zur Frühjahrstagung fel die Wahl auf Stendal als Veranstaltungsort. Doch ist die Hansestadt groß genug, um eine Gefahr für die Infrastruktur im ländlichen Raum darzustellen ? Angesichts des Gerangels beispielsweise um Schulstandorte kein abwegiger Gedanke. ASGGeschäftsführer Dr. Dieter Czech erklärt : " Natürlich bedarf es im Land starker Zentren und Städte, aber auch muss die ländliche Region entwickelt werden. Es geht um ein fruchtbares Nebeneinander. "

Ein fruchtbares Nebeneinander, das bei vielen Menschen noch nicht präsent sei. Ministerpräsident Böhmer, der zur Eröffnung am Mittwoch als Redner angereist war : " Ich f nde es unmöglich, wenn immer darauf geschielt wird, dass Städte attraktiv gemacht werden, damit die Menschen vom Land in die Stadt ziehen. " Eine solche Sanierung der Städte auf Kosten des ländlichen Raums habe keine Zukunft. Zustimmung bei den ASG-Mitgliedern, die sich als Lobbyisten für die ländliche Region sehen.

Was aber bringt den Gebieten abseits der Städte eine Zukunft ? Zum einen sollte nicht allein auf Landwirtschaft gesetzt werden. Denn gerade bei der vom Ministerpräsidenten hoch gelobten modernen und großfächigen Landwirtschaft fallen gerade einmal 1, 2 Arbeitsplätze pro Quadratkilometer bewirtschafteter Fläche ab. Die daraus resultierenden Beschäftigtenzahlen reichen wiederum kaum aus, um genügend Menschen für eine funktionierende Infrastruktur zu halten. Es gelte also auch andere Arbeitsplätze zu sichern und zu schaffen und den Raum attraktiv für die Menschen zu gestalten.

Themen, die für Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz indes in naher Zukunft von Interesse sein durften. Das Stadtoberhaupt hatte zunächst auf die historische Bedeutung seiner Stadt hingewiesen (" Lange Zeit war Stendal die bedeutendste Stadt in der Mark, mit 1200 Feuerstellen mehr als doppelt so groß wie Berlin. "). Und dann war er auf die ländlichen Strukturen zu sprechen gekommen, die nach der Gebietsreform aus Stendal eine Stadt mit einer Ausdehnung von bis zu 30 Kilometern machen werde. Entsprechend wird auch die Zahl der Dörfer steigen die zu Stendal gehören – und entsprechend für die Stadt auch die Bedeutung funktionierender Strukturen im Ländlichen. Ministerpräsident Böhmer indes sieht in den Strukturveränderungen, die in der Altmark anstehen, eine Chance : Mit Blick auf die wachsende Größe Stendals meinte er : " So hat Berlin auch angefangen. " Um allerdings gleich nachzuschieben : " Wir wollen die landschaftliche Attraktivität der Altmark trotz neuer Gebietseinteilungen erhalten. "

Neben Diskussionen wie dieser um Strategien zum Wohle des ländlichen Raumes stehen übrigens etliche Ausfüge in die Region auf dem Programm der ASG : Besucht wurden neben anderen die Freie Schule und der Kindergarten in Bindfelde, Landwirtschaftsbetriebe, das Gefechtsübungszentrum, aber auch das Schloss Storkau, die " verkehrte " Dorfkirche Hämerten und die Sommerschule in Wust.