" Wir machen weiter ", versprach Mike Bardehle von der Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg m Dienstagabend bei einer Einwohnerversammlung in Hohenberg-Krusemark. Und machte damit klar, dass für die Kraftwerksgegner der " Energie-Dinosaurier " noch nicht erlegt ist. Dennoch gingen die Teilnehmer beruhigter nach Hause, als sie gekommen waren.

Hohenberg-Krusemark.

roten Kreuzen, roten T-Shirts, schwarzen Luftballons und Schildchen mit durchgestrichenen Schloten demonstrierten Besucher der Einwohnerversammlung ihre Ablehnung gegen die Pläne, ein Steinkohlekraftwerk im Industrie- und Gewerbegebiet bei Arneburg zu errichten. Sie fürchten um ihre Existenzgrundlage, ihre Gesundheit, den Wert ihrer Grundstücke. Rund 300 Teilnehmer – sie kamen nicht nur aus der Gemeinde Hohenberg-Krusemark – schrieben sich in die Anwesenheitslisten ein ; keiner erhob das Wort für den Bau eines Steinkohlekraftwerkes.

Martin Stöhr aus Hindenburg stellte in Abrede, dass neue Kohlekraftwerke her müssten, um aus der Kernenergie auszusteigen und veraltete Kraftwerke vom Netz zu nehmen. Regenerative Energie wie Windkraft oder Photovoltaik würden immer noch unterschätzt. Er sagte : " Wenn wir wollen, geht alles. Dann können wir sogar Mauern einstürzen ".

Olle Kamellen

Er sei nicht grundsätzlich gegen Kraftwerke, machte Reinold Weiland aus Hohenberg-Krusemark klar. " Aber gegen dieses bin ich, weil an diesem Standort keine effektive Energienutzung möglich ist. " Die Wärmeenergie, mit der eine Millionenstadt versorgt werden könnte, werde in die Elbe geleitet und in die Luft gepustet. Weiland : " Das ist ein Verbrechen. "

Viele Bürger sehen ihre Lebensqualität durch ein solches Kraftwerk in Gefahr. Bei der Frage, wie eine Ansiedlung bei Arneburg ins Visier des Energieriesen RWE kommen konnte, ging Verwaltungsleiter Eike Trumpf weit in die Geschichte zurück. In einem Entwicklungskonzept von 1992 waren 150 Hektar des ehemaligen KKW-Geländes für die Ansiedlung eines Energieversorgers vorgesehen. Die Treuhand verkaufte die Fläche an ein Unternehmen, das dort bis 2002 ein Steinkohlekraftwerk bauen wollte, diese Option wurde später bis 2012 verlängert. Inzwischen ist eine 100-prozentige RWE-Tochter Grundstückeigentümerin.

Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland ( BUND ) und selbst ernannter Moderator, bemängelte, es werde über " olle Kamellen " geredet. Er wollte wissen : " Stehen die Entscheidungsträger von damals in Zeiten des Klimawandels noch zu ihren Entscheidungen ?" Katrin Timmreck aus Schwarzholz forderte speziell Bürgermeister Ralf Bergmann und Trumpf auf, sich zu positionieren.

Bergmann erklärte : " Ich habe mich geirrt. " Er habe die Ansiedlung des Kraftwerks unterstützt, weil er ein positives Echo erwartete und die Investition nicht an der Region vorbeigehen lassen wollte. " Ich habe falsch gelegen. Ich werde keine Entscheidung treffen, die gegen die Meinung der Bürger von Hohenberg-Krusemark ist. " Eike Trumpf sagte, es sei nicht leicht, eine klare Antwort zu geben, äußerte aber : " Wenn die Bevölkerung das nicht will, werde auch ich nicht dafür sein. "

Doch spiegelte die Einwohnerversammlung auch die Mehrheitsmeinung wider ? Bürgerinitiative und Bergmann waren sich da sicher. Möglicherweise soll eine Unterschriftensammlung das belegen. Dabei sitze den Organisatoren die Zeit keinesfalls im Nacken, machte Bergmann klar. " Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch kein Antrag für den Bau eines Kraftwerkes gestellt. " RWE prüfe allerdings, ob der Bau unter den Anforderungen des Bundesimmissionsschutzrechts überhaupt möglich sei.

Das bestätigte das Unternehmen indirekt in zwei Schreiben. Darin teilte es mit, das keine konkreten Beschlüsse vorlägen und Varianten der Vermarktung des Grundstücks geprüft würden.

Düsteres Bild gemalt

Sollte der Energiekonzern bauen wollen, so könnten die Gemeinden am ehesten über einen veränderten Bebauungsplan ein Stopp setzen. Das ergab die Debatte während der Einwohnerversammlung.

Emotional klang die Versammlung aus. Mike Bardehle von der Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk malte ein düsteres Bild. Nach seinen Angaben würde das Werk, das er als " Energie-Dinosaurier " bezeichnete, bei 7000 Volllaststunden unter anderem jährlich 6460 Tonnen Stickoxide, 5880 Tonnen Schwefeldioxid und eine Tonne Quecksilber ausstoßen. Deshalb steht für Mike Bardehle und die Bürgerinitaitive fest : " Wir machen weiter. "