Wie geht es weiter mit dem Kabelfernsehen ? Fakt ist, dass für viele Zuschauer vom Analogfernsehen jetzt die Preise um ein Fünftel erhöht werden. Die Verbraucherschützer sehen das kritisch, der Kabelanbieter Primacom hingegen verweist auf steigende Bezugskosten.

Stendal. " Primacom nutzt seine Monopolstellung in Stendal aus ". Davon ist Siegfried Preuß, Mieter der Wohnungsbaugenossenschaft ( WBG ) " Altmark ", überzeugt. Er bekam – wie Hunderte andere Mieter auch – im Mai ein Schreiben vom Kabelfernsehanbieter Primacom aus Leipzig. In diesem wird eine Preiserhöhung für das analoge Fernsehen via Kabel von derzeit 10, 83 Euro monatlich auf 12, 99 Euro zum 1. Juli angekündigt. " Eine Preissteigerung um stolze 20 Prozent ", hat Preuß ausgerechnet. Nachvollziehen kann er diese nicht. " Im Bereich des analogen Kabelfernsehens gibt es doch derzeit keine Investitionen. " Preuß vermutet, dass Primacom auf diese Weise mehr Kunden zum digitalen Kabelanschluss drängen will. Für diesen wird eine Preis garantie für zwei Jahre angeboten.

Der Stendaler legte nicht nur Widerspruch gegen die Preis erhöhung ein, sondern wandte sich mit einem offenen Brief an die Geschäftsführung der WBG mit der Bitte, "… alle Möglichkeiten zu prüfen, um der monopolistischen Preispolitik der Unternehmung Primacom erfolgreich zu begegnen ". Zudem wandte sich der Mieter an das Landeskartellamt, das mittlerweile vom Leipziger Unternehmen, das seit Jahren in Stendal aktiv ist und zwischenzeitlich rund 2, 9 Millionen Euro in das städtischer Breitbandkabelnetz investiert hat, eine Stellungnahme und Unterlagen eingefor - dert hat.

In der Verbraucherzentrale Stendal läuft Preuß offene Türen ein : " Immer wieder haben wir Fälle, die mit Primacom zu tun haben, nicht nur in Stendal, sondern auch in den anderen Regionen Sachsen-Anhalts ", schildert Verbrau cher beraterin Marion Dittrich.

Was können die Stendaler in Sachen Primacom jetzt tun ? " Der Vertrag ist von beiden Seiten unter Einhaltung der Kündigungsfrist kündbar. " Kunden können bis zu sechs Wochen nach Eingang des Schreibens Widerspruch einlegen ", erklärt Dittrich.

Allerdings könne dieser Widerspruch zur Folge haben, dass es eine ordentliche Kündigung seitens Primacom gebe. Dann sitzen die Mieter ohne Fernsehen da. " Vielen Kunden von Primacom bleibt nichts anderes übrig, als in den saueren Apfel zu beißen und die Preiserhöhung mitzutragen ", resümiert die Verbraucherberaterin. In Stendal versorgt Primacom 11 300 Haushalte – nicht nur mit Fernsehen, sondern wenn gewünscht auch mit Telefon und Internet.

Der Brief von Siegfried Preuß hat mittlerweile den Vorstand der WBG beschäftigt, bestätigt Geschäftsführer Harald Schwerin. Er verwies darauf, dass die Wohnungsbaugenossenschaft 2007 einen Gestattungsvertrag mit Primacom abgeschlossen habe, der eine zweijährige Preisbindung festschrieb. " Ein längerer Zeitraum war nicht machbar ", so Schwerin. Auch mit der jetzt angekündigten Preiserhöhung sei Primacom " immer noch preiswerter als andere Anbieter ".

Kritisch äußerte sich der Geschäftsführer der WBG, die derzeit 4032 Mietparteien zählt, von denen 3984 verkabelt seien, zur Informationspolitik des Kabelnetzbetreibers. " Wir hätten es uns gewünscht, wenn Mieter und Vermieter im Vorfeld informiert wären ", so der Geschäftsführer.

Ein Vorwurf, den Primacom-Sprecher Thomas Chojnacki von sich weist. " Unser zuständiger Mitarbeiter für die Betreuung der Großkunden war persönlich am 30. April bei der SWG und am 11. März bei der WBG Altmark und hat diese über die bevorstehende Erhöhung informiert. Unsere Kunden haben wir im Vorfeld über die Entgelterhöhung durch ein Anschreiben informiert ", erklärte Chojnacki. Die Preiserhöhung begründet er damit, dass unter anderem die Bezugskosten wie beispielsweise für Senderlizenzen und Aufwendungen für die analoge Fernsehversorgung gestiegen seien. Und, wie der Antwort vom Primacom-Sprecher zu entnehmen ist, müssen die Bezieher des analogen Fernsehens wohl auch künftig mit steigenden Entgelten rechnen – im Gegensatz zum digitalen Fernsehen. Ganz abgesehen davon, dass Analog-Fernsehen als Auslaufmodell gilt.

Wer wie Siegfried Preuß trotzdem Widerspruch einlegen will, muss sich sputen. Laut Chojnacki hat die sechwöchige Widerspruchsfrist bereits am 1. Juni begonnen.