Die " echte " Spielzeit war Markus Dietzes letzte in Stendal. Der scheidende Intendant des Theaters der Altmark zog gestern einen Schlussstrich unter die Theatersaison 2008 / 2009 und blickte auf die fünf vergangenen Jahre als TdA-Chef zurück.

Stendal ( ro ). Mit " My Fair Lady ", von Dietze selbst inszeniert, hat der Intendant den Musicalfreunden ein glänzendes Abschiedsgeschenk serviert. Mehr als 8500 Zuschauer in Stendal und den zahlreichen Gastspielorten in nah und fern begleiteten Eliza Doolittle auf ihrem steinigen Weg vom derb fluchenden Blumenmädchen in die feine Londoner Gesellschaft. " My Fair Lady " erblühte zur " erfolgreichsten Musiktheater-Inszenierung der letzten 20 Jahre ", schätzte Dietze gestern ein.

Doch auf der TdA-Bühne " jriente " es nicht nur " so jrien ", als Spaniens " Blieten blieten ". Als große Erfolge rechnete der scheidende Intendant, der ans Stadttheater Koblenz wechselt, auch die beiden Kleist-Produktionen " Der zerbrochene Krug " und " Penthesilea " sowie Shakespeares " Romeo und Julia " in der Arendseer Klosterruine ab. Publikumsmagneten waren darüber hinaus Übernahmen aus der vorangegangen Spielzeit, allen voran " Die Comedian Harmonists ", die in dieser Spielzeit in 20 Zusatzvorstellungen das Kleine Haus füllten. Insgesamt brachten es die sechs Schauspieler-Sänger auf 46 Vorstellungen vor über 6300 Zuschauern – so viel Andrang hat das Kleine Haus noch nie erlebt.

Der absolute Rekordhalter ist in dieser Aufzählung noch gar nicht vorhanden : " Aschenputtel ", das Weihnachtsmärchen dieser Spielzeit, zog zwischen Ende Oktober und Weihnachten 2008 mehr als 17 400 vor allem kleine Theaterbesucher in seinen Bann. Damit sorgte der traditionelle Selbstläufer für fast ein Drittel der Zuschauerzahlen der Saison 2008 / 2009. Mehr als 59 000 Menschen, so bilanzierte Markus Dietze, sahen die 505 Vorstellungen des TdA. Damit konnte zwar der Rekord des vorangegangenen Jahres mit seinen 64 400 Theaterbesuchern nicht eingestellt werden, doch Dietze ist zufrieden mit seinem letzten Akt in der Altmark. Es sei immerhin die zweitbeste Spielzeit seit der Jahrtausendewende gewesen. Besonders stolz ist er auch darauf, dass sich das Theater offenbar gut verkaufen konnte. Mehr als die Hälfte der Vorstellungen waren Gastspiele in der Altmark und zum Teil weit darüber hinaus.

Dietze, der seit 1996 am TdA inszenierte, 2001 Oberspielleiter und 2004 Intendant wurde, zieht erhobenen Hauptes an den Rhein. Zu den erfolgreichsten, das heißt : publikumsträchtigsten, Projekten der vergangenen Jahre zählt er die Wiederbelebung des nach der Wende aufgelassenen Musiktheaters. Was mit " Cabaret " und " Victor / Victoria " begann, lief mit " Evita ", " Die Dreigroschenoper " und schließlich " My Fair Lady " zur Hochform auf. Dabei sei es nicht darum gegangen, so Dietze, aus dem TdA " durch die Hintertür wieder ein Dreispartenhaus zu machen ". Vielmehr würden die eigenen Ressourcen der Region aktiviert und nutzbar gemacht. So verband sich das Theater mit der Kunstplatte und dem Orchester schrÄgetÖne als wichtigen Kooperationspartnern bei diesen Musikproduktionen.

Pluspunkte in der Bilanz der vergangenen Jahre sind nach Einschätzung Dietzes auch die Zusammenarbeit mit erfolgreichen Autoren wie John von Düffel, Sibylle Dudek oder Jörg Menke-Peitzmeyer, die Uraufführungsstücke für Stendal schrieben, das TdA-Bildungsengagement in der jungen Generation und die Profilierung des Hauses in der Karlstraße zu einem soziokulturellen Zentrum der Region. So war das TdA bereits zweimal Schauplatz des Kunst- und Kulturwettbewerbs " re-flect ".

Großes Lob zollte der Intendant auf seiner letzten Pressekonferenz Stadt und Landkreis Stendal. Sein Wunsch zum Abschied : mehr finanzielles Engagement aus der Westaltmark.