Stendal. Als die Mauer vor 20 Jahren fi el, durchlebte Deutschland ein Novum : ein Umbruch ohne Blutvergießen. " Das war damit wirklich eine gesegnete Unruhe ", erklärte gestern Stendals Superintendent Michael Kleemann. Folglich lautet der Titel der Veranstaltungen, mit denen an das Jubiläum erinnert wird, in ganz Mitteldeutschland ebenso : " 1989 – 2009 Gesegnete Unruhe ". Im Kirchenkreis konzentrieren sich die Veranstaltungen auf Stendal. " In der Vorwendezeit haben die meisten Protestveranstaltungen in unserer Stadt stattgefunden ", erklärt Sybille Stegemann, Sprecherin der Stadt. Grund genug auch dafür, dass das Gedenken von der Stadtverwaltung aktiv unterstützt wird. Und auch der Ort vieler Veranstaltungen – die Stendaler St. Petri-Kirche – hat seinen Grund in der Vorreiterrolle des Hauses während des Wendeherbstes 1989. An den Vorbereitungen für die Erinnerung an die " Gesegnete Unruhe " ist laut Kleemann auch die katholische Gemeinde in Stendal beteiligt.

" Uns ist wichtig, dass wir nicht nur auf die Vergangenheit blicken, sondern auf das Hier und Jetzt ", unterstreicht Michael Kleemann. Die Friedensgebete an den Montagen im Oktober werden daher von vier heute aktiven Organisationen mitgestaltet – von der Evangelischen Stadtgemeinde, von der Notfallseelsorge, vom Afrikakreis und von der Projektgruppe gegen Gewalt. Wichtig sei, so die Initiatoren übereinstimmend, dass die heute jungen Leute die Gelegenheit nutzen und sich ein realistisches Bild von der DDR und der Wendezeit formen. " Die Zeitzeugen zu befragen – das ist in erster Linie Aufgabe für die jungen Menschen und nicht für jene, die damals ohnehin dabei waren ", erklärt Sybille Stegemann. Es gehe darum, der Geschichtsverklärung entgegenzuwirken – auch wenn es mit dem Ende der DDR für viele Menschen einschneidende und oft auch schmerzhafte Umbrüche gegeben habe.