" Wir wollen den Bauerntag auch nutzen, um die Probleme in der Landwirtschaft der Bevölkerung näher zu bringen ", sagte Organisator Asmus Welzin am Sonnabend bei der Eröffnung des Tangerhütter Bauerntages. Die Veranstaltung hat inzwischen seit einigen Jahren Tradition und lockte auch dieses Mal wieder mit kulturellen und kulinarischen Höhepunkten, aber auch mit Informativem zum Thema " Landwirt gleich Energiewirt ?"

Tangerhütte. Im Gespräch um Milchpreise und die Entwicklung der Landwirtschaft in der Region waren sich Landwirte wie Detlef Braune aus Schönwalde, Asmus Welzin aus Tangerhütte, aber auch Wolfgang März aus Uchtdorf darüber einig, dass einiges im Zusammenspiel zwischen Erzeugern und Vermarktern von Lebensmitteln nicht stimme. Wenn die Landwirtschaft Verluste mache, aber die großen Lebensmittelketten trotzdem noch Gewinne bei Milch, Fleisch und anderen Lebensmitteln einfahren würden, sei das kein Zeichen für ein faires Miteinander, meinte etwa Detlef Braune, der sich seit Jahren für einen vernünftigen Milchpreis einsetzt.

Auch der aus der Schweiz stammende Tangerhütter Urs Niklaus, selbst ehemaliger Landwirt, meinte : " In der Schweiz sagt man, mit 30 Kühen kann man überleben, von 60 kann man leben, hier kann man aber mit 300 nicht mehr leben. " Er hat sich, ebenso wie die Uchtdorfer Agrargenossenschaft um Geschäftsführer Wolfgang März, eine Nische gesucht, um über die Runden zu kommen. Während Niklaus Solaranlagen baut und diese am Sonnabend auch ausstellte, hat sich Wolfgang März der Biogasproduktion verschrieben und informierte über diese Form der " Energiewirtschaft ", auf die schon einige Landwirte umgestiegen sind. " Nischen sind Nischen, weil nur wenige davon leben können, wenn ‘ s alle machen, lohnt sich auch das nicht mehr ", machte Urs Niklaus klar.

Wolfgang März nutzte den Bauerntag auch, um über die Erfahrungen mit der Uchtdorfer Biogasanlage mit ihrer Leistung von maximal 499 Kilowatt zu berichten. Seit 2006 läuft die Anlage, derzeit wird eine Auslastung von mehr als 90 Prozent erreicht. 470 Kilowatt waren es im vergangenen Jahr. Dafür müssen 7500 Tonnen Maissilage und 750 Tonnen Roggenschrot eingebracht werden, zum Teil muss dazugekauft werden, so März. Doch die Biogasproduktion ist nur ein Standbein des Unternehmens, das auch Rinder- und Schweinezucht sowie Ackerbau betreibt. Davon konnten sich die vielen Besucher auch mit einer Tour zur Anlage in Uchtdorf ein Bild machen. Die Anlage erwirtschaftet 2 149 078 Kubikmeter Gas pro Jahr, 4 113 500 Kilowattstunden Strom und 4 809 700 Kilowattstunden an Wärme. Sie läuft 8625 Stunden pro Jahr.

Wie anstrengend die Lebensmittelerzeugung früher sein konnte, davon konnten sich die Besucher des Bauerntages nicht nur anhand der vielen historischen Ausstellungsstücke in der Welzinschen Scheune überzeugen, sondern auch selbst mit alten Mahlsteinen Mehl mahlen. " Ich habe schon rund 30 solcher Steine auf meinem Acker Richtung Schönwalde gefunden, das spricht dafür, dass es dort schon früher Besiedlungen gegeben hat ", sagt Asmus Welzin, der mit Unterstützung durch Hobbyarchäologen Kurt Hübner auch einen Schalenstein als Ablage für die zu mahlenden Körner aufgestellt hatte.

Alte Zeugen der Landwirtschaft hatten auch Fritz Lohse aus Windberge und Horst Pohl aus Weißewarte mitgebracht. Sie sind regelmäßig beim Bauerntag dabei und zeigten auch dieses Mal ihre alten Traktoren der Marke Lanz-Bulldog aus den Jahren 1938 und 1952. Mit dabei waren auch die Uchtdorfer Landfrauen und die Flinken Nadeln aus Birkholz sowie die Rassekaninchenzüchter aus Tangerhütte, die ihre Tiere präsentierten.

Für die Sanierung der Schönwalder Kirche veranstaltete die stellvertretende Kirchenratsvorsitzende Christiane Braune einen Schrapelbasar, den sie mit Unterstützung vieler Schönwalder und weiterer Helfer auf die Beine stellte. Auch Tochter Juliane half beim Verkauf der Lose mit. " Wir wollen einen Grundstock für die Innensanierung unserer Kirche zusammenbringen ", sagte Christiane Braune. Nötig sind Innenputz- und Malerarbeiten, die Sanierung der Fenster, an denen sich Künstler der Region schaffen sollen, will die Gemeinde unterstützen. Für musikalische Unterhaltung sorgten die Sandbeiendorfer Blasmusikanten und am Nachmittag die Band " Nobody Knows ".