Die jetzt von Edeka erklärte Absicht, ihren Schadewachten-Markt bis 2010 zu bauen, schafft die Diskussion über innenstadtnahen Lebensmittelhandel nicht aus der Welt. Netto plant den Umzug seines Marktes von Süd an die Tangermünder Straße. Doch das Vorhaben kollidiert mit der von der Stadt angestrebten Bebauungsplanung für dieses Gebiet.

Stendal. Wilde-Immobilien Stendal und der Magdeburger Projektentwickler Karl-Heinz Maruhn haben am 19. März eine Bauvoranfrage an die Stadt Stendal gestellt. Ihr Inhalt : ein 1200 Quadratmeter ( 700 Quadratmeter Verkaufsfläche ) großer Nahversorgungsmarkt auf dem Grundstück Tangermünder Straße 1. Anstelle der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Kinderkrippe gegenüber von Alstom, für die nach Angaben der Projektentwickler-Arge bereits eine Abrissgenehmigung vorliegt, sollen der Markt und 83 Stellplätze entstehen. Die Ein- und Ausfahrt auf das Grundstück planen Edith Wilde und Karl-Heinz Maruhn an der Tangermünder Straße, eine weitere ( Nur- ) Einfahrt an der Magdeburger Straße. Der Hintergrund : Der dänische Discounter Netto will seinen Markt im absterbenden Wohngebiet Stendal-Süd schließen und an den südlichen Rand der Innenstadt ziehen.

B-Plan in Arbeit

Doch Projekte wie diese will die Stadt in diesem altstadtnahen Bereich nach Möglichkeit verhindern, um die seit Jahren immer wieder verschobenen Edeka-Pläne am Schadewachten nicht zu gefährden. Erst kürzlich hatte Edeka nun doch zugesagt, ihren Citymarkt bis 2010 zu bauen. Die Stadtverwaltung forciert aus diesem Grund eine Bebauungsplanung für den Bereich zwischen Dr.-Arthur-Schulz- und Tangermünder Straße, zwischen Nachtigalplatz und Bahnlinie ( die Volksstimme berichtete ), um zu prüfen, ob sich Handelsansiedlungen mit der Struktur der nahen Altstadt vertragen. Der Aufstellungsbeschluss liegt am Montag dem Hauptausschuss vor.

Aus der Sicht von Edith Wilde würde damit ein einzelnes Handelsunternehmen, das in Stendal bereits beherrschend vertreten sei, in seiner Monopolstellung weiter gestärkt. Im Gespräch mit der Volksstimme fragt sie : " Welcher Bannkreis soll hier um Edeka errichtet werden, um andere auszuschließen ?" Der Einzelhandelsriese hätte ihrer Meinung nach längst die Möglichkeit gehabt, auf seinen erworbenen Grundstücken seine Pläne zu verwirklichen. Jetzt, da es einen anderen Bewerber gibt, werde die Stadt plötzlich aktiv.

Anderes Klientel

Die Behauptung der Stadtverwaltung, es hätte in den vergangenen Monaten vermehrt Anfragen von Einzelhändlern gegeben, die sich im Bereich Magdeburger Straße ansiedeln wollten, halten Edith Wilde und Karl-Heinz Maruhn aus ihrer Kenntnis der Marktlage heraus für " blanken Unsinn ". Da sei in der Öffentlichkeit ein falsches Bild gezeichnet worden. Wilde : " Diese Interessenten sollen sie doch mal benennen !" Bei den Netto-Plänen gehe es lediglich um eine Standortverlagerung, keinesfalls um zusätzliche Verkaufsflächen oder ein größeres Sortiment. Eine Konkurrenz für Edeka sieht Karl-Heinz Maruhn nicht : " Netto bedient eine andere Klientel auf einer ganz anderen Preisschiene als ein Edeka-Aktivmarkt. "