Unter dem Motto " Ora et labora – betet und arbeitet " stand das Treffen von 64 Kindern zwischen acht und zwölf Jahren am Wochenende im Kloster Jerichow. Mädchen und Jungen aus vielen Pfarrbereichen des Landkreises Stendal und des Jerichower Landes begaben sich zum ersten Mal gemeinsam auf die Spuren der Mönche.

Jerichow. " Ich bin Schwester Hanna ", erklärte am Sonnabend Beathe Muskulus den Kindern in Jerichow. Die Gemeindepädagogin aus Tangerhütte wählte wie auch die 64 Kinder einen Namen aus dem Klosterbuch und wurde während des sechsstündigen Aufenthaltes im Kloster nur mit diesem angesprochen. Außerdem erhielten sie und die übrigen Gemeindepädagogen das weiße Gewand der Prämonstratenser. Dieser Orden hat das Klosterstift im Jahr 1144 gegründet.

Die Kinder trugen Kutten und mit drei Knoten versehene Kordeln. Die Knoten stehen für das einfache Leben, den Gehorsam und das friedliche Miteinander im Kloster. So gekleidet begann der Aufenthalt für die Kinder mit einer Andacht. Anschließend gingen die Kinder zu einer der sechs Stationen mit Einblicken in das Leben der Mönche.

Im Innenhof des Klosters beschäftigten sich die Kinder damit, Siegel herzustellen. Dazu nutzten sie das Linolschnitt verfahren und druckten damit persönliche Lesezeichen und Gebetskarten. Ein paar Meter weiter formte Erika Jänisch mit den Teilnehmern sogenannte Savonettes ( Seifenbälle ). Sie konnten dabei aus 48 verschiedenen Duftnoten wählen. Mit dem Verzieren von Kerzen beschäftigte sich Gemeindepädagogin Erika Funkner aus Stendal.

An der vierten Station, im Kräutergarten, zeigte Heike Voß aus Burgstall den Teilnehmern, wie kleine Lavendelsäckchen hergestellt werden. Dazu pflückte die Religionslehrerin die getrockneten Blüten und verpackte sie in Papier. " So könnt ihr sie euch bei Schlafbeschwerden unters Kopfkissen legen. Und Lavendel verscheucht zudem die Motten aus dem Kleiderschrank ", sagte Voß. Auch ihr Sohn Niklas probierte die Kräuterzubereitung aus.

Um frische Kräuter ging es an der fünften Station von Daniela Kahrstedt und Kerstin Langnaese. Nicht nur Löwenzahnhonig, sondern auch Kamille und Salbeikräuter standen dabei auf dem Probier- und Schnupperplan.

Über die Abläufe im Kloster und die Gebräuche der Mönche informierte Gemeindepädagogin Martina Grigoleit die Kinder in der Sakristei. So beteten die Mönche beispielsweise zu jeder vollen Stunde. Fester Bestandteil ihres Klosterlebens waren die gregorianischen Gesänge, die die Kinder nicht nur kennenlernten, sondern auch selbst ausprobierten. Gebetet wurde am Wochenende zwar nicht stündlich, aber zu Beginn zum Agapemahl zur Mittagszeit und zur Abschlussandacht mit den Eltern. Zum Agapemahl teilte Pfarrer Christof Enders das Brot mit den Kindern. " Das ist das einfachste Zeichen der neuen Gemeinschaft ", sagte der Jerichower und erteilte den Kindern den Segen.

Den Abschluss des Klostertages erlebten die Kinder in einer Andacht gemeinsam mit ihren Eltern. Annett Komorowski war mit dem ersten Treffen aus den verschiedenen Pfarrbereichen des Kirchenkreises Stendal durchweg zufrieden. Weil derzeit im Stendaler Dom gebaut wird, entstand die Idee für die kreisübergreifende Veranstaltung. Auch Gemeindepädagogin Martina Grigoleit, die die Veranstaltung zusammen mit Annett Komorowski geleitet hat, war rundum zufrieden. Die Kinder hätten nicht nur das Kloster Jerichow kennengelernt und etwas über das Leben der Mönche erfahren, sondern auch neue Freunde gefunden.

Im nächsten Jahr wollen die Gemeindepädagogen den Klostertag wieder im Stendaler Dom veranstalten.