Zahlreiche Orgelbauer und -sachverständige und weitere 30 Interessierte aus nah und fern haben sich zum Symposion über die Zukunft der Scherer-Orgel der Marienkirche angemeldet. Alle Veranstaltungen des Symposions sind öffentlich und eintrittsfrei und finden am 24. und 25. April statt.

Stendal. St. Mariens Orgel muss restauriert werden, das ist unstrittig. Aber wie ? Diese Frage soll ein großes Orgelsymposion am 24. und 25. April klären, zu dem Orgelbauer und andere Experten, die sich mit der Königin der Instrumente auskennen, nach Stendal eingeladen worden sind. 30 weitere Interessenten haben sich inzwischen für die Veranstaltungen der Tagung angemeldet, teilt Stadtmusikdirektor Michael Hentschel mit.

Der im Jahr 1580 von Hans Scherer d. Ä. erbauten Orgel geht häufig die Puste aus, und ihre Töne können sich nicht so harmonisch im Kirchenschiff verbreiten, wie es der Wohlklang erfordert. Das liegt vor allem an den Umbauten, die im Laufe der fast 430 Jahre an ihr vorgenommen wurden. Zuletzt, so informiert Michael Hentschel, nahm die Orgelbaufirma Hammer aus Hannover in den Jahren 1942 bis 1944 tiefgreifende Veränderungen an dem Instrument vor. Dabei wurden die Windladen erneuert und neue Pedaltürme um das alte Hauptwerk gebaut. Gleichzeitig wurden aber auch 270 originale Pfeifen von Scherer in elf Registern wiederverwendet. " Um die Erhaltung dieses alten Bestandes haben sich bisher der Kirchenälteste Kurt Rönnebeck und Altpropst Dr. Eberhard Schmidt sehr verdient gemacht ", sagt der Stadtmusikdirektor.

Mariens Orgel soll möglichst historisch getreu restauriert und von ihren Mängeln befreit werden. Deshalb haben die Evangelische Stadtgemeinde und der Förderverein Glocken St. Marien, der sich inzwischen für die Bürgerkirche als Ganzes engagiert, die Orgelexperten nach Stendal gerufen. Von Fachvorträgen und einer Podiumsdiskussion am 25. April im Rathausfestsaal ( siehe Ablauf des Symposions im gelben Kasten ) erhoffen sich die Veranstalter fachkundige Ratschläge, die den Weg zu diesem Ziel weisen.

Interessant dürfte auch der Vergleich mit der im vergangenen Jahrhundert restaurierten Scherer-Orgel in Tangermünde sein, die 1624 von Hans Scherer d. J. gebaut wurde. Die Cuxhavener Kunsthistorikerin Dr. Dorothea Schröder betrachtet in ihrem Vortrag am Sonnabend in der Stephanskirche die erhaltenen Orgelgehäuse beider Instrumente. Danach bringt der Bremer Professor Harald Vogel die Tangermünder Orgel zum Klingen.

Und natürlich wird auch das ehrwürdige Instrument der Marienkirche zu hören sein. Am Freitag ab 19 Uhr spielen Maike und Johannes Schymalla sowie Michael Hentschel. Hentschel über das Programm : " Von Adam Ileborgh, der hier in Stendal 1448 acht Orgelstücke aufschrieb, erklingen ein Präludium und eine sogenannte Mensur. In diesem Stück wird die Melodie des mittelalterlichen Liedes ‚ frowe al myn hoffen an dyr lyed’ verarbeitet. 1998 komponierte der frühere Domkantor Manfred Schlenker über die gleiche alte Melodie die Partita ‚ 12 Annäherungen an Adam Ileborgh zu Stendal’. Aus diesem Werk werden einige Teile zu hören sein, des Weiteren Werke von Nikolaus Bruhns und Nikolaus Hasse. "

Alle Veranstaltungen des Orgelsymposions stehen für jedermann offen und kosten keinen Eintritt.