Es sind nicht die Geschichten übern Gartenzaun, sondern die Geschichte über alle Zäune der 76 Parzellen des Stendaler Kleingartenvereins " Sonnidee " hinweg, die Hans-Joachim Weinstrauch und Dieter Karow mitschrieben. Der ehemalige Vereinsvorsitzende und sein Nachfolger steuern jetzt ein Jubiläum an : 40 Jahre " Sonnidee " mit einem Kleinod, wie es nur wenige Gartenvereine bieten können.

Stendal. Der Weg führt vom Eingang in den Gartenverein schnurstracks auf einen Teich zu. 5700 Quadratmeter Wasserfläche, eingerahmt von saftig-grün bewachsenem Uferstreifen, auf dem hunderte Gänseblümchen wachsen. Doch nicht von den Blumen hat der " Gänseteich " seien Namen, sondern tatsächlich von dem wilden Geflügel, das im halben Dutzend pärchenweise über die sich leise kräuselnde Wasseroberfläche gleitet. " Die brüten hier sogar ", versichert Dieter Karow, Vorsitzender des Gartenvereins " Sonnidee ". Und wie auf Kommando strecken zwei Gänseküken samt Gänseeltern ihre Köpfe aus dem Schilfsaum, den die Kleingärtner extra für ihre tierischen Gäste haben stehen lassen. " Die Ecke ist für uns tabu ", sagt Karow, der in dem Röhricht noch mindestens drei weitere Gänsekinderstuben vermutet. Idylle pur. Und die ist nur das schmückende ( weil von den Kleingärtnern gepflegte ) Beiwerk zu einer Anlage, die auf 2,7 Hektar rund 80 Gartenparzellen beherrbergt. Fast alle sind zwischen 240 und 360 Quadratmerter groß und wie an Schnüren entlang der Wege gezogen, weil am Reißbrett geplant, aber jede individuell gestaltet. " Diese Freiheit geben wir unseren Mitgliedern ", sagt der Vereinsvorsitzende, obwohl man sich auch bei " Sonnidee " weitgehend an die Vorgaben des Kreisverbands der Gartenfreunde hält. Das war schon so, als die " Sonnidee " noch VKSK-Sparte war. – eine übrigens, in der über 70 Prozent der Mitglieder Eisenbahner waren. Warum aber heißt sie dann nicht " Am grünen Gleis " oder so ? Hans-Joachim Weinstrauchs Stirn legt sich in Falten. Auf so etwas Absurdes wäre er damals nie gekommen. Damals, das war das Jahr 1969, als die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft ihr Blumenkohlfeld hier am Ziegeleiweg aufgab. Die Fläche war für die Gemüseproduktion im geplanten größeren Rahmen zu klein. Kurz : Eine Handvoll Stendaler Kleingärtner, die ihre ehemaligen Parzellen hatten räumen müssen, weil darauf die ersten Wohnblöcke von Stadtsee II entstehen sollten, fand sich als " Nachnutzer ". Die Geburtsstunde der Gartensparte schlug im Mai. Hans-Joachim Weinstrauch wurde ihr erster Vorsitzender und bleib es schließlich 35 Jahre lang. " Die haben sich einen ausgekuckt. Na ja, und der war eben ich ", schildert er das Auswahlverfahren. Namenlos sollte die junge Sparte nicht bleiben. Eines der 15 Gründungsmitglieder hatte die Namens-Idee, erinnert sich der ehemalige Vorsitzende : " Sonnidee – so hießen die Geschäfte Jugendmode, die damals aufkamen. Junge Mode für junge Leute. Und jung waren wir damals auch. Warum also nicht Sonnidee als Spartenname, hat einer in die Runde geworfen. Dabei blieb es dann. "

Hans-Joachim Weinstrauch könnte Bände füllen mit den Episoden, die er in seiner Amtszeit erlebt hat – von der enormen Nachfrage, dank der die Anlage bereits in den ersten zwei Jahren auf 60 Parzellen anwuchs, von den zig Tonnen Mutterboden, die sie auffüllten, vom Wegebau, von der riesigen Unterstützung seitens des RAW – ob es nun schwere Technik war, die schon mal in ein überwuchertes Loch rutschte, oder alte Rohre, aus denen Zaunpfosten geschnitten wurden –, und nicht zuletzt von den vielen Stunden, die von " Sonnidee " -Kleingärtner investiert werden mussten, ehe aus der verwahrlosten, voll Wasser gelaufenen Tongrube das Vorzeige-Biotop " Gänseteich " wurde.

Geschichten, die auch Dieter Karow, der jetzige Vereinsvorsitzende nur zu gut kennt. Die meisten von ihnen hat auch er miterlebt. Karow gehört seit Herbst 1969 zu den " Sonnidee " -Kleingärtnern, ist einer von heute 74, die am 9. Mai den 40. Geburtstag ihres Vereins feiern werden. Apropos Geburtstag : Eine Woche zuvor feiert Hans-Joachim Weinstrauch den seinen. Dass man ihm die 72 Jahre ebenso wenig ansieht wie seinem Nachfolger Dieter Karow die 69 Lenze, liegt wohl auch an ihrem Hobby. So ein Garten hält jung, sind sie überzeugt und wollen ihren Jungbrunnen noch so lange wie möglich genießen.