Sollen auf Kirchenland Windräder aufgestellt werden ? Antworten gab es auf der Kreissynode dazu nicht. Aber es wurde – nicht zuletzt dank dem Umweltbeauftragten Pastor Thomas Schaack von der Nordelbischen Kirche – eine Diskussion in Gang gesetzt.

Groß Schwarzlosen. Frühjahrssynode des Kirchenkreises Stendal in der Mehrzweckhalle von Groß Schwarzlosen : Neben den Fragen des Kirchenalltags haben sich die evangelischen Christen der Region diesen Sonnabend ein globales Thema auf die Tagesordnung gehoben : Die Klimaveränderung und wie ihr die Kirche begegnen soll. Referent ist Pastor Thomas Schaack aus dem nordfriesischen Breklum. Er ist Umweltbeauftragter der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Warum ausgerechnet ein Fachmann aus Schleswig-Holstein ? Superintendent Michael Kleemann : " Er wurde uns als Experte empfohlen. Und gerade was die regenerativen Energien angeht, haben die Menschen an der Nordseeküste ja schon jahrzehntelange Erfahrungen. Sie waren die ersten, bei denen es Windkraftanlagen gab. " Wohlan – das Thema Windkraftanlagen lockt denn auch in der Altmark derzeit zur hitzigen Diskussion. Kleemann im Gespräch mit der Volksstimme nach dem Abschluss der Synode : " Ich bin beeindruckt, wie unaufgeregt und unideologisch Pfarrer Schaack das Thema erläutert hat. "

" Wollen wir als Christen das Salz in der Erde sein ?"

Und Worte wie diese waren es, die den Synodalen im Gedächtnis haften bleiben : " Unsere Kirche muss ein Vorbild sein ! Wir evangelischen Christen müssen für eine lebenswerte Umwelt stehen !" Das allerdings in einem Spannungsfeld zwischen zwei Polen : Einerseits stünden Kirchengemeindenunterkritischer Beobachtung seitens der Öffentlichkeit. Andererseits sei es die Pflicht evangelischer Christen, Neues zu wagen. Schaack : " Wollen wir als Christen das Salz in der Erde sein ? Dann müssen wir etwas tun. "

Was nun allerdings die Windkraft betrifft, so sehen viele Altmärker unbeantwortete Fragen : Wie groß sollen Windparks sein ? Wie nahe sollen sie an bebaute Gebiete heranreichen ? Warum soll ausgerechnet hier Strom erzeugt werden ? Schaack : " Insbesondere bei großen Windparks sehe ich großen Diskussionsbedarf, bei dem auch alle ernst genommen werden müssten. " Pro Windkraft argumentiert er, dass diese – nach der obersten Priorität des Energiesparens – die für Mitteleuropa am besten nutzbare alternative Energie sei.

Als Konsens aus der Diskussion sieht Kleemann den vorläufigen Verzicht auf Fotovoltaikanlagen auf Kirchendächern. Nicht allein, dass die Installation der Sonnenstrom-Platten ohnehin zu Konfl ikten mit Fragen des Denkmalschutzes führen könnte : Zudem ist, so die Erkenntnis der Synodalen, der technische Stand, um die Sonnenenergie direkt zur Stromerzeugung wirtschaftlich nutzen zu können, für ihre Vorstellungen noch nicht ausreichend. Kein Konsens zum Thema Windkraft : Dazu gab es keinen Beschluss.

" Man kann sich nicht waschen, ohne nass zu werden "

Für Michael Kleemann ist klar : " Wenn wir vor der Alternative von einer von Windrädern veränderten Landschaft, einer von der Klimakatastrophe heimgesuchten Welt oder einer verstrahlten Region stehen – dann ist für mich klar, dass wir die Windräder in Kauf nehmen sollten. " Dabei gelte es jedoch, im Gespräch die davon betroffenen Menschen zu überzeugen. " Man kann sich nicht waschen, ohne nass zu werden – dieses Prinzip, für Veränderungen auch selbst Veränderungen zu akzeptieren, gilt eben auch für die Energiepolitik ", erklärt der Superintendent. Eine Arbeitsgruppe soll sich daher zu dem kontroversen Thema formieren. Die dürfte sich auch mit der in der Diskussion aufgeworfenen Frage beschäftigen, ob denn in der Altmark mehr Strom mittels Windkraft erzeugt werden müsse als in anderen – beispielsweise westdeutschen – Regionen.

Schon jetzt, so Michael Kleemann, wolle die evangelische Kirche in der Region darauf dringen, dass auf den sparsamen Umgang mit Strom geachtet werde ebenso wie auf die gute Dämmung bei Neubau- und Sanierungsprojekten für Kirchen und Gemeindehäuser.

Zu weiteren Schwerpunkten der Synode lesen Sie nächste Woche mehr in der Volksstimme.