Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, dass mit dem Landkreis ein Zeckvertrag zur Integrationsarbeit geschlossen wird. Dessen Inhalt : Landesgelder werden für Aufgaben weitergereicht, die Stendal seit Jahren ohnehin bereits auf Stadtebene wahrnimmt.

Stendal. Sondersitzung im Stendaler Stadtrat : Am Donnerstag stand dazu neben anderen der Beschluss über eine neue Zweckvereinbarung mit dem Landkreis auf der Tagesordnung. Inhalt : 23 000 Euro an Landesmitteln sollen in Zukunft ins Stadtsäckel fl ießen. Der Hintergrund : Das Land fördert seit diesem Jahr die Integration von Zuwanderern. Das allerdings nur für Landkreise und die drei kreisfreien Kommunen Sachsen-Anhalts Magdeburg, Halle und Dessau.

Die Stadt Stendal wiederum hat in den vergangenen acht Jahren bereits ein funktionierendes Netzwerk im Sinne dieser Integration von Flüchtlingen und Aussiedlern aufgebaut. Koordiniert wird dieses Projekt von Liane Bischoff.

Sie erläuterte einen Tag vor der Sondersitzung im Stadtrat den Wert des Stendaler Konzepts auf einer Ausschusssitzung : " Stendal profi tiert von der Zusammenarbeit der verschiedensten Partner, die wie Zahnräder zusammenspielen. " Partner – das sind neben Einrichtungen wie den Schulen, dem Asylbewerberheim, der Arge und der Arbeitsagentur beispielsweise auch freie Träger wie die Arbeiterwohlfahrt oder das Rote Kreuz und Bildungs- und Beratungsstellen, Kultureinrichtungen, die Polizei, Privatleute und politische Parteien. Liane Bischoff : " Uns ist es so gut gelungen, die Integrationsarbeit zwischen solchen Einrichtungen zu vernetzen und zu koordinieren, dass Stendal sich weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus in diesem Bereich einen Namen gemacht hat. "

Integration – das ist für die Stendaler Akteure an erster Stelle das Erlernen der deutschen Sprache für die Zugewanderten – aber auch der Abbau von Berührungsängsten bei der angestammten Bürgerschaft. Liane Bischoff : " Ein Beispiel dafür, dass Integration auch davon lebt, sind die Interkulturellen Wochen der Stadt. "

Dass nun der Landkreis die Landesmittel an die Stadt weiterreicht, liegt nicht allein daran, dass die Stendaler schon emsig an ihrem Integrationsnetzwerk geknüpft haben. Sybille Stegemann, Sprecherin der Stadt und ebenfalls engagiert in Sachen Integration : " In unserer Stadt leben einfach die meisten Immigranten. " In Zahlen bedeutet das, dass in der Hansestadt über 1400 Ausländer eine Heimat gefunden haben – Zuwanderer, die bereits die deutsche Staatsbürgerschaft haben, sind in dieser Zahl noch nicht enthalten. Den 1400 Neu-Stendalern stehen jedenfalls 600 Zuwanderer gegenüber, die sich auf die anderen Gemeinden des Landkreises verteilt haben.

Sybille Stegemann : " Es ist also ganz natürlich, dass der Hauptteil der Integrationsarbeit in Stendal geleistet wird. " Verwunderlich vor diesem Hintergrund erscheint nur, dass das Land erst mühsam überzeugt werden musste von diesem Modell der Geldweitergabe. Und auch die Stadräte taten sich zunächst schwer, das Geld zu nehmen – für eine Ausgabe, die bislang aus dem städtischen Haushalt fi nanziert werden muss –, und verwiesen den Vertrag zurück in den Fachausschuss, bevor die ihn jetzt einstimmig verabschiedeten.