Lückenschluss in der Stendaler Innenstadt : auf Baulücken in der historischen Altstadt wird in diesem Frühjahr fleißig gearbeitet. Neue Häuser zwischen alten Gebäuden entstehen derzeit beispielsweise in der Hallstraße und in der Brüderstraße.

Stendal. " Wir müssen uns auf die Stadtmitte konzentrieren !", forderte Stendals Oberbürgermeister Klaus Schmotz jüngst am Rande eines Vortrags vor dem ADAC. Eine städtebauliche Vision, die auch schon jetzt an einigen Stellen in der Altstadt sichtbar wird.

Die Volksstimme hat für zwei Grundstücke nachgefragt, was dort entsteht. Beispiel eins : das Grundstück an der Brüderstraße 6. Hier ist schon seit Wochen gut zu erkennen, was gebaut wird : Unweit des Marktplatze wird ein Haus gemauert, aus dessen Obergeschoss sich ein kleiner Erker über die Straße erhebt. Vor Monaten noch hatte dort die Ruine eines Fachwerkhauses gestanden. Bauherr Matthias Schreiber erklärt : " Das alte Haus war aber vollkommen morsch, das war einfach nicht mehr zu retten. " Im Sommer vergangenen Jahres hatte er sich zum Bau des Einfamilienhauses mit 140 Quadratmetern Wohnfl äche und Doppelgarage entschieden. Im Juli oder August soll der Neubau an der Brüderstraße fertiggestellt sein.

" Das Haus wird modern gestaltet, denn jede Zeit hat ihre eigenen Bauwerke "

Und wie wird das Haus dann aussehen ? Matthias Schreiber : " Modern. " Dieser Tage wird mit der Verwaltung geklärt, welche Farbe die Fassade tragen wird, dem Bauherren schwebt nach eigenem Bekunden ein bräunlicher Farbton vor mit weinroten Fensterrahmen.

Ein Neubau im Stile alter Fachwerkarchitektur stand für Schreiber nie zur Debatte. " Zum einen ist das politisch nicht gewollt, hier Kopien mittelalterlicher Bebauung hinzustellen ", sagt er. Zum anderen hält er auch persönlich solche Rückgriffe auf die Vergangenheit für bedenklich : Zumeist gelinge das nämlich nicht. Seine Devise habe folglich gelautet : " Das Haus wird modern gestaltet, denn jede Zeit hat ihre eigenen Bauwerke. "

Schreiber, der von Berufs wegen Landschaftsgärtnermeister ist, hat sich mit dem Innenstadtbau an der Brüderstraße zum ersten Mal ins Metier des Häuslebaus gewagt. Eine Entscheidung, die er noch einmal so treffen würde ? " Vielleicht ja, aber auf jeden Fall nicht in naher Zukunft. " Denn auf die Erfahrung, dass der Innenstadtbau keine einfache Sache sei, müssten sich auch viele andere, die es dem Innenstadtbebauer gleichtun wollen, einstellen. Schreiber : " Zum einen ist es immer schwierig, in einer so engen Straße wie der Brüderstraße zu bauen. Zum anderen sind auch die Verhandlungen mit den Behörden über einen solchen Standort nicht immer einfach. "

Bedeckt hält sich indes der Stendaler Investor, in dessen Auftrag derzeit am Grundstück der Hallstraße 14 das Fundament für Beispiel zwei – ebenfalls einen Neubau – gelegt wird. Nur so viel : Ein dreigeschossiges Steinhaus soll sich in die Baulücke zwischen einem Fachwerkhaus und einem erst vor wenigen Jahren errichteten Gebäude einfügen. Die Höhe des neuesten Bauwerks an der Hallstraße wird zwischen der seiner beiden Nachbarn liegen. Für die Büroräume im Erdgeschoss hat laut Bauherr eine Versicherungsagentur Interesse angemeldet, in den beiden Etagen darüber sollen Wohnungen entstehen. Der Neubau soll bis Ende des Jahres fertig sein.

" Die Innenstadt muss lebenswert und attraktiv gemacht werden !"

Dass die Stadtväter – neben Klaus Schmotz hat beispielsweise auch die SPD den altstädtischen Lückenschluss als Schwerpunkt im Wahlprogramm ausgerufen – am Hausbau auf Innenstadtbrachen interessiert sind, hat indes nicht allein kosmetische Gründe. Vielmehr ist dieses kommunalpolitische Verlangen Folge des Bevölkerungsverlustes, unter dem Städte wie Stendal leiden und der sich fortsetzen wird. Klaus Schmotz : " Es ist nicht sinnvoll, dass immer weniger Menschen ein immer größeres Netz für Straßen und Versorgungsleitungen finanzieren, wie es bei der Ausweisung neuer Wohngebiete auf der grünen Wiese der Fall wäre. " Des Oberbürgermeisters Konsequenz : " Die Innenstadt muss lebenswert und attraktiv gemacht werden !" Beispielsweise eben dadurch, dass moderne Wohnungen errichtet würden.