Stendal. Erklärte Gegner des vom Energiekonzern RWE für Arneburg geplanten Steinkohlekraftwerks sind Linkspartei und Grüne gleichermaßen. Ebenso haben sie sich gegen die Einlagerung von Kohlendioxid in ehemaligen Erdgaslagerstätten in der Altmark ausgesprochen. Am Dienstag nun wurde im Stendaler Landratsamt eine von der gemeinsamen Kreistagsfraktion in Auftrag gebenene Studie vorgestellt unter dem Titel : " Untersuchung der energiepolitischen Potenziale der Region Altmark in Hinblick auf eine effiziente und erneuerbare Energieversorgung in dezentralen Strukturen ". Autor ist Björn Schering, Energietechniker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des energiepolitischen Sprechers der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke. Drei Monate hat er an seiner Studie gearbeitet und erklärt unumwunden : " Natürlich geht es darum, Alternativen zum geplanten Steinkohlekraftwerk zu zeigen. " Der Energiehunger in der Region lässt sich laut Schering in Zukunft stillen, wenn alternativen Energien ein Vorrang eingeräumt werde und wenn Energie konsequent gespart wird – zum Beispiel durch das konsequente Dämmen von Häusern.

Beispiel Bioenergie : Schering hält bis zum Jahr 2030 den Anbau von Bioenergiepflanzen auf 40 000 Hektar für möglich. " Wichtig ist, dass keine Konkurrenz der Bioenergiepflanzen zu Nahrungspflanzen und Naturräumen entsteht und dass effiziente Verfahren genutzt werden. " Keine effizienten Verfahren zur Bioenergie-Gewinnung – das sei beispielsweise die derzeitige Herstellung von Treibstoffen aus Pflanzen.

Beispiel Windkraft : Es ist absehbar, dass die Anlagen in Zukunft immer größer und leistungsfähiger werden. " Auf vier kleine und schnelldrehende alte Anlagen kommt dann eine größere mit langsam drehenden Rotoren ", erklärt Schering. Dank dieser Anlagen könnte Konfliktpotenzial zwischen Anwohnern und Windkraftanlagenbetreibern aus der Welt geschafft werden, zudem der Anteil des Windkraft-Stroms erhöht werden. Schering : " Es ist völlig unverständlich, warum Windkraftanlagen in der Altmark durch Restriktionen willkürlich verhindert werden. Es gibt 39 Beschlüsse im regionalen Raumordnungsprogramm bezüglich der Windkraftanlagen – nicht einen bezüglich anderer Energieanlagen. "

Neben der Nutzung von Solarenergie sieht der Autor der Studie Potenziale zudem in der Geo thermie. In der Altmark sei dank günstiger geologischer Voraussetzungen mit geringen Bohrtiefen an die Wärme aus dem Erd inneren heranzukommen. Dank neuer Förderrichtlinien sei das ein interessanter Markt für Investoren. Schering rechnet mit fünf Anlagen, die sich in der Region etablieren ließen.

Das allerdings nur – und hier setzen die Konflikte zur den bisherigen Plänen in der Region ein –, wenn kein Kohlendioxid im Boden eingelagert werde. Schließlich könne man keine Löcher in das Gestein bohren, das für Jahrtausende einen Gasspeicher verschließen soll. Ein weiterer Konfliktpunkt sind laut Schering die Kapazitäten der Leitungen : Wenn nämlich ein Großkraftwerk an der Elbe gebaut würde, wäre kaum noch Raum, um den Strom aus alternativen Quellen einzuspeisen. Sein Fazit im Auftrag von Linken und Grünen : " Sie müssen sich hier in der Region entscheiden, was Sie wollen. Kohlekraftwerk und alternative Energien geht nicht. Denn mit einem Kohlekraftwerk ist der Markt für die nächsten 60 Jahre dicht. "