Die Tangerhütter Förderschule " Rosa Luxemburg " wird zum Schuljahresende als eigenständige Schule geschlossen. Die Kinder, die bisher dort unterrichtet wurden, brauchen allerdings keine weiteren Schulwege auf sich zu nehmen. Sie sollen auch nach den Sommerferien in Tangerhütte unterrichtet werden.

Tangerhütte. Dass in der Tangerhütter Lernbehindertenschule " Rosa Luxemburg " im Sommer dieses Jahres das Licht ausgehen soll, ist nicht neu. Im Bildungsgesetz Sachsen-Anhalts ist festgeschrieben, dass es mindestens 90 Kinder braucht, damit eine solche Förderschule bestehen kann. Diese Forderung erfüllte die Rosa-Luxemburg-Schule letztmals 2004, existiert also seit 2005 nur noch mit Sondergenehmigungen. Die wird es mit Ablauf des derzeitigen Schulentwicklungsplans im Sommer dieses Jahres nicht mehr geben. Höchste Zeit für das Schulverwaltungsamt des Landkreises und das Landesverwaltungsamt, ihr Versprechen einzulösen, das sie im Januar 2007 im Schulausschuss gegeben hatten – vor Eltern, deren Kinder aus Tangerhütte und 23 umliegenden Orten in die Rosa-Luxemburg-Schule gehen : Die bisher dort unterrichteten Kinder sollen nach der Schulschließung " wohnortnah " beschult werden.

Einer Erinnerung daran bedurfte es nicht, als der Schulausschuss in dieser Woche die künftigen Schulstrukturen im Landkreis erneut zu seinem Thema machte.

Schulamtsleiterin Dr. Ulrike Bergmann sprach von " neuen Erkenntnissen ", die sie seit Montag dieser Woche aus einem Gespräch mit dem Landesverwaltungsamt gewonnen habe. Die sind allerdings das Ergebnis eines langwierigen Erkenntnisprozesses, denn ursprünglich sollte eine Lösung für die Rosa-Luxemburg-Schüler schon für den Schuljahresbeginn 2008 / 2009 gefunden sein. So hatte es der Stendaler Kreistag im April 2007 beschlossen.

Allerdings war danach entschieden worden, die Rosa-Luxemburg-Schule ein weiteres Schuljahr bestehen zu lassen. So wird die Lösung ab August 2009 greifen, die Bergmann so formulierte : " Die Kinder der Klassen 1 bis 4 der Rosa-Luxemburg-Schule wollen wir in den gemeinsamen Unterricht an die Grundschule Tangerhütte geben. Das heißt, die Riekeschule wird Grundschule mit Integrationsklassen. Ein entsprechender Antrag ist beim Kultusministerium gestellt. "

Schulausschussvorsitzende Edith Braun stand dieser Idee skeptisch gegenüber : " Ich bin mir nicht sicher, ob das die richtige Förderung für diese Kinder ist. Aber ich lasse mich gern belehren. " Eine Aufforderung, der Ausschussmitglied Peter Zimmermann sofort nachkam : " Ich finde diesen Integrationsansatz gut. Die Kinder sind auch im Kindergarten und in der Freizeit zusammen, warum nicht auch in der Schule ? Zudem besteht so nicht die Gefahr, dass Kinder mit einer Lernbehinderung ausgegrenzt werden. "

Dass diese Kinder dennoch die Förderung bekommen, die sie über den Rahmen ihres integrativen Klassenverbandes hinaus brauchen, soll Bestandteil des Unterrichtskonzepts werden, so Schulamtsleiterin Bergmann. Eltern, die auch weiterhin eine spezielle Förderschule für ihr Kind als bessere Lösung ansehen, stünde natürlich auch dieser Weg offen.

Für die Mädchen und Jungen, die in die Oberstufe ( Klasse 5 bis 8 ) der Rosa-Luxemburg-Schule gehen, ändert sich im kommenden Schuljahr faktisch noch nichts. Sie werden weiterhin in den Räumen der Tangerhütter Lernbehindertenschule unterrichtet, ab August jedoch als " ausgelagerte Klassen " der Stendaler Pestalozzischule. Das Schulverwaltungsamt wurde vom Schulausschuss aufgefordert, in dem dadurch gewonnenen Jahr eine wohnortnahe Lösung auch für diese Schüler zu fi nden. Angedacht wurde für sie – ebenfalls bereits vor zwei Jahren – der Unterricht in Kooperationsklassen an der Tangerhütter Sekundarschule.