Stendal. Die Altmark – sie ist schon ein schönes Fleckchen Erde, aber wie so oft sehen viele Menschen nur die Vorteile der ländlichen Dorfi dylle. Viele Jugendliche sehen das anders und haben schon eine regelrechte Abneigung gegen ihr Heimatdorf entwickelt. Gerade wenn man beispielsweise in Stendal zur Schule geht, aber in einem Dorf wohnt, das 28 Kilometer vom Schulort entfernt liegt, gestaltet sich das Alltagsleben sowie die Wochenend- und Freizeitplanung nicht unproblematisch.

Der ganz normale Tag solcher Schüler beginnt schon morgens um 5 Uhr : aufstehen, anziehen, frühstücken. Während die Dorfjugend im Winter morgens um 6 Uhr an der Bushaltestelle bei Minusgraden schon mit den Zähnen klappert, drehen sich andere Jugendliche noch dreimal im Bett um. Ein weiterer Störfaktor sind die langen Busfahrten, jeden Tag 45 Minuten hin und zurück. Dazu kommen oft noch lange Wartezeiten von über eineinhalb Stunden. Ist man dann endlich wieder von der Schule zurückgekehrt, ist es schon weit nach 16 Uhr. Zeit für Freizeitaktivitäten bleibt unter der Woche nicht viel. Hausaufgaben, lernen, essen, und dann völlig erledigt ins Bett fallen. Und dann wieder aufstehen …

Hat man so eine Woche erst einmal hinter sich gebracht, zerplatzt auch oft der Traum von einem ereignisreichen Wochenende wieder : Wenn die Eltern keine Zeit haben, ihr Kind von A nach B zu kutschieren und das Wetter es nicht zulässt, den acht Kilometer langen Weg zum nächstgelegenen Bahnhof mit dem Fahrrad zurückzulegen, muss man eben zu Hause bleiben und Langeweile schieben. Selbst wenn man es bis zum Bahnhof schafft, wird man von den Fahrkartenpreisen erschlagen : 5, 10 Euro für 14 Minuten Zugfahrt. Mit dem Bus ist es auch nicht besser : Ab der 11. Klasse muss die tägliche Fahrt zur Schule selbst bezahlt werden, pro Monat fallen dafür etwa 70 Euro an.

In Sachen Freizeit hat das Landleben wirklich nicht viel zu bieten : spazieren und radfahren. Aber vom Großteil der landschaftlichen Besonderheiten hatte man schon mit acht Jahren genug gesehen.