Die schlechte Nachricht : Die Zahl der Straftaten ist im vergangenen Jahr nach fünf Jahren erstmals wieder angestiegen. 144 mehr Straftaten stehen für 2008 zu Buche, was jedoch bei insgesamt fast 9000 in der Kriminalstatistik erfassten Delikten kaum ins Gewicht fällt. Wichtig aus Sicht der Polizei : Es gab im Landkreis im vergangenen Jahr keine wirklich schwerwiegende Kriminalität wie Tötungsdelikte.

Stendal. Nach fünf Jahren, in der die Zahl der Straftaten im Landkreis Stendal stetig sank, zeigt die Kurve im Jahr 2008 erstmals wieder nach oben. Ein leichter Anstieg und gegen den Landestrend, resümiert der Leiter des Stendaler Polizeireviers, Olaf Wichmann, als er am Mittwoch die Kriminalstatistik des Vorjahres präsentiert. Gesunken ist im Vergleich zum Vorjahr hingegen die Aufklärungsquote, allerdings nur um ein halbes Prozent auf 51, 9 Prozent, was noch immer der zweitbeste Wert der vergangenen zehn Jahre war. Dennoch sind das Fakten, die den Revierleiter nicht unbedingt erfreuen, auch wenn er sie begründen kann.

Im Wesentlichen handelt es sich bei den Straftaten um Diebstahlsdelikte ( siehe Grafik ). Hier ist die Aufklärungasquote eher niedrig. In Zahlen : Von den 4314 angezeigten

Diebstählen

wurden 28, 9 Prozent aufgeklärt. Dahingegen werden die Rohheitsdelikte, worunter die Polizei Straftaten wie Raub, Körperverletzung, Nötigung, Erpressung oder auch den Handtaschenraub zusammenfasst, zu 90 Prozent aufgeklärt. So gut wie keine Chance, nicht erwischt zu werden, haben Ladendiebe. " Hier liegt die Aufklärungsquote nahe 100 Prozent ", sagt Wichmann.

Fahrräder und Autos

sind begehrte Beute

Doch nicht der Zahlen wegen gibt es die Statistik, sondern " um Schwerpunkte zu erkennen und gegenzuhalten ", so der Revierleiter. So ist dem Zahlenund Tabellenwerk auf den ersten Blick zu entnehmen, dass Fahrräder nach wie vor das begehrteste Diebesgut sind ( 915 wurden im vergangenen Jahr gestohlen ). Mehr als zwei Drittel der Tatverdächtigen sind Männer oder männliche Jugendliche.

Apropos : Der Anteil Jugendlicher an den Tätern ist zwar rückläufig, macht aber noch immer ein Drittel aller Täter aus. Jugendliche Intensivtäter hingegen – diejenigen, die mindestens neun Straftaten auf dem Kerbholz haben – gibt es lediglich 19 im Landkreis Stendal. " Die werden von uns außergewöhnlich betreut ", nennt es Revierleiter Wichmann, fügt jedoch im gleichen Atemzug an : " Wir haben im Landkreis keine jugendlichen Intensivtäter, die Gewaltstraftaten wie Raub oder Körperverletzung begehen. Vor allem handelt es sich um Diebstähle. " Und auch das nutzt der Revierleiter als Stichwort. Verdoppelt hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Kraftfahrzeugdienbstähle. 109 Pkw oder Kräder wurden zur Diebesbeute. Geradezu sprunghaft gestiegen ist die Verbreitung pornografischer Schriften – von zwei Delikten 2007 auf 14 im vergangenen Jahr. Was Olaf Wichmann aber nicht als negativ bewertet, denn diese Straftaten aufgedeckt zu haben, sei ein Erfolg : " Wir sind in diesem Bereich gemeinsam mit dem Landeskriminalamt sehr rührig ", umschreibt der Stendaler Polizeichef die verstärkte Ermittlungstätigkeit auch im Internet.

Ähnlich seine Wertung in Sachen Rauschgiftkriminalität. 220 derartige Delikte wurden 2007 erfasst. Die Zahl dieser Fälle stieg im Vorjahr auf 289. Ergebnis erfolgreicher Ermittlungstätigkeit, sagt Wichmann.

Wer Beratung wünscht, bekommt sie

Er sagt allerdings auch, dass es schwer zu beurteilen ist, wie hoch die Dunkelziffer hier ist, anders gesagt, wie viele Rauschgiftdelikte, die in der überwiegenden Mehrzahl von Jungerwachsenen begangen würden, unaufgedeckt bleiben. Hier wie generell sind die Polizisten dankbar für jeden Tipp, der hilft, die Kriminalität einzudämmen.

Im Gegenzug macht Olaf Wichmann ein Angebot. Seine Mitarbeiter beraten in Sachen Kriminalitätsvorbeugung jedermann gern, ob in der Beratungsstelle oder in Schulen, Vereinen, Firmen. Wer sich von ihnenTipps holt, verringert auch sein ganz persönliches Risiko, Opfer kriminellen Tuns zu werden.