Die Reste der Hansa-Brauerei werden nun doch abgerissen. Zwischenzeitliche Überlegungen des Bauherrn und seines Architekten, Teile der historischen Fassade in die Neubebauung einzubeziehen, scheiterten am Geld. Der Neubau soll voraussichtlich Mitte 2010 starten.

Stendal. Auch der bisher vom Abrissbagger verschonte südliche Kopfbau des Hansa-Brauerei-Komplexes wird demnächst dem Erdboden gleichgemacht. Die massive Kritik in der Volksstimme an den Anfang des Jahres begonnenen Abbrucharbeiten am Nordwall hatte bei Eigentümer Henry Berg und Architekt Ulrich Peickert zwar Überlegungen in eine andere Richtung ausgelöst. " Wir haben zusammen mit der Stadt nach Lösungen gesucht, einen Teil der Substanz zu erhalten ", sagte Henry Berg gestern. Doch diese Bestrebungen seien am Geld gescheitert.

Nach seinen Berechnungen hätte der Erhalt von 19 Meter südlicher Giebelfront ( am Nordwall ) und 12 Meter Westfassade zusätzliche Kosten von 180 000 Euro verursacht, die er als Bauherr nicht wirtschaftlich darstellen könnte. Diese Pläne seien in den Stadtratsfraktionen und im Hauptausschuss zur Diskussion gestellt worden. Der Ausschuss habe sich zu keiner Förderung des Projekts durchringen können. Berg : " Nun reißen wir ab. "

Auch Dirk Hofer, dessen Ingenieurbüro an den Planungen von Peickert für das Brauerei-Areal mitwirkt, bedauert das Resultat. " Eine vertretbare Wohnqualität wäre auch bei Einbeziehung der alten Fassaden machbar gewesen ", sagt er. Dass es nun anders kommt, sei auch deshalb schade, weil die Hansa-Brauerei für viele Stendaler von emotionalem Wert ist.

Neubau ab Mitte 2010

Die Neubebauung will Henry Berg voraussichtlich Mitte 2010 in Angriff nehmen und im Frühjahr 2011 fertigstellen. Mit einem Investitionsvolumen von 2, 5 bis 3 Millionen Euro ist es sein bisher größtes Projekt. In mehreren, drei- bis fünfgeschossigen Gebäudeteilen sollen 50 Wohnungen entstehen. Vorn am Nordwall ist ein Bereich für betreutes Wohnen geplant, im mittleren und hinteren Teil sind vor allem Eigentumswohnungen für Interessenten jeden Alters vorgesehen. Alle Wohnungen sollen über Fahrstuhl und Laubengänge erreichbar sein. Der Hof des an drei Seiten umbauten Grundstücks soll begrünt werden, der Begegnung der Bewohner dienen und auch Platz für Kinder bieten. Den Bedarf schätzt Berg als positiv ein. Mehr als 30 Reservierungen lägen ihm schon vor.

" Das Grundkonzept ist die Beibehaltung der Kanten und der Kubatur der Hansa-Brauerei ", erläutert Dirk Hofer die Neubaupläne. Die unterschiedlichen Gebäudehöhen der Wohnanlage würden viel Licht in jede Wohnung lassen.

Wie die Fassaden gestaltet werden, steht noch nicht endgültig fest. Möglicherweise wird sich ein Teil der gelben und roten Backsteine der Brauerei wiederfinden, möglich sei auch, dass das Tor oder Teile der historischen Einfriedung an Stendals alte Hansa-Brauerei erinnern werden.